27. GERRY WEBER OPEN  15. – 23. Juni 2019

GERRY WEBER TICKET CENTER 05201 81 80 Mo. bis Fr. 10–17 und Sa. 10–13 Uhr

„Die GERRY WEBER OPEN lieferten den Anstoß für die Renaissance des Rasentennis“

Turnierdirektor Ralf Weber blickt auf die Geschichte des Turniers zurück und hat zwei große Wünsche für die Zukunft

Eigentlich kam ja der Impuls für eine Renaissance des Rasentennis aus Halle - mit der Entscheidung, hier ein Rasenturnier zu spielen.
Ralf Weber: „Das stimmt. Damals gehörten schon eine Portion Mut und eine gewisse Risikobereitschaft dazu. Aber wir sahen da eine große Chance - und es ist schon unglaublich, was aus diesem Turnier geworden ist. Halle spielt auf der Weltkarte des Tennis eine wichtige Rolle, steht mit Metropolen wie Dubai, Rio oder Peking auf einer Stufe im Ranking.“
 
Welche Grundsätze galten beim Aufbau des Turnierstandorts Halle.
Ralf Weber: „Wir sind immer an den Bedürfnissen der Spieler und Fans orientiert. Wir stellen uns also stets und immer neu die Frage: Was müssen wir besser machen, was können wir an Neuem und Sinnvollem bieten. Aber auch: Was tun wir nicht. So ist über die Jahre eine Infrastruktur entstanden, auf die wir schon mit etwas Stolz blicken. Ein Turnier, das mehr als nur Tennis bietet. Ein Turnier der kurzen Wege. Ein Turnier, das sich mit dem Bau des Centre Court-Daches unabhängig von Wetterproblemen machte. Viele Puzzlesteine sind richtig zusammengesetzt worden.“
 
Die enge Beziehung zu Wimbledon war wichtig für das Turnier.
Ralf Weber: „Allerdings. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch bei den Topleuten in Wimbledon. Ich hatte noch die Angst, dass sie sagen: Macht ihr mal euer Turnier, was interessiert uns als Wimbledon das schon. Aber dann war es eine sehr herzliche Atmosphäre. Wir bekamen Hilfestellung von allen Seiten, von der Auswahl der Netzpfosten über die Entscheidung für den richtigen Rasen. Und dann nahmen wir auch ja den ehemaligen Chef-Greenkeeper Jim Thorn unter Vertrag. Wimbledon bewies damals schon große Weitsicht, sie hatten die Idee und den Willen, dass Rasentennis wieder mehr Geltung haben müsste. Und das ist ihnen ja vortrefflich gelungen nun.“
 
Die Gerry Weber Open werden inzwischen in mehr als 140 Ländern der Erde im Fernsehen gesendet. Ein wichtiger Faktor auch für den Titelsponsor, die GERRY WEBER International AG.
Ralf Weber: „Natürlich ist diese Internationalität des Turniers ein entscheidender Faktor beim Engagement des Unternehmens. Das hilft uns bei der Expansion, ist im Marketingbereich ein wichtiges Instrument. Automatisch assoziiert man mit dem Namen Gerry Weber über diesen Sportevent auch eine große Emotionalität. Durch den Aufstieg in die 500er-Turnierserie erlebte die mediale Verbreitung noch einmal einen gewaltigen Schub. Und das ist natürlich auch ein Anreiz für weitere Sponsoren, sich bei uns zu engagieren. Wenn man in der Turnierwoche irgendwo unterwegs ist auf der Erde und den Fernseher einschaltet, kann man sicher sein, dass man da auf die Gerry Weber Open stößt.“
 
Sind Sie mit der TV-Übertragungssituation zufrieden.
Ralf Weber: „Absolut. Ich glaube, die ATP macht da einen guten Job in der Vermarktung. Durch das attraktive Teilnehmerfeld war letztes Jahr sogar noch ein großer US-Sender als Partner dabei. In Asien fasziniert viele Fans der Start von Kei Nishikori. Mit Eurosport und dem ZDF am Finalwochenende sind wir auf dem deutschen Markt sehr gut abgedeckt. Eurosport steckt hier auch sehr viel Kreativität in die Übertragungen hinein. Wir sind ja ansonsten das letzte Turnier, das im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt wird, da gibt es auch eine gegenseitige Wertschätzung.“
 
Roger Federer ist der topgesetzte Spieler bei den Gerry Weber Open 2016. Welche Rolle spielt er für das Turnier.
Ralf Weber: „Er hat das Turnier natürlich wie kein anderer geprägt. Als achtmaliger Sieger sportlich. Aber auch als Partner und Botschafter der Gerry Weber Open, als Fürsprecher bei anderen Spielern, als Publikumsliebling. Roger Federer und die Gerry Weber Open - das ist mehr als die normale Beziehung zwischen einem Turnier und einem Spieler. Er kam schon als 18-jähriger nach Halle, fühlte sich wohl. Gewann dann 2003 zum ersten Mal hier, dann in Wimbledon. Er identifiziert sich einfach mit unserem Turnier, mit Halle als Schauplatz. Er kommt gern, weil Halle anders ist, nicht eine dieser großen Metropolen mit all ihrer Hektik und Nervosität. Viele beneiden uns um diese außergewöhnliche Verbindung zu Roger.“
 
Federer sagt, er denke noch nicht an Rücktritt. Doch welche Pläne hat das Turnier für und mit Federer - wenn er aufgehört hat als Spieler.
Ralf Weber: „Wir wünschen uns sehr, dass Roger dem Turnier weiter eng verbunden bleibt. Er war auch sehr positiv überrascht, dass wir ihm schon Pläne und Überlegungen vorgelegt haben. Er sagte mir: Ist ja toll, dass ihr schon in die Zukunft schaut und euch Gedanken macht. Das ist einzigartig. Wir denken an Schaukämpfe, an gemeinsame Arbeit für seine Stiftung, an repräsentative Aufgaben. Roger ist da für vieles offen, habe ich den Eindruck.“
 
In diesem Jahr rückt eine neue Generation von Spielern erfolgreich ins Blickfeld. Die Jungen Wilden sind auch in Halle am Start: Was erwarten Sie?
Ralf Weber: „Wir waren immer bestrebt, neue, frische Gesichter im Turnier zu haben. Auch Roger Federer gehörte einst dazu, und welche Entwicklung hat diese Partnerschaft dann genommen. Auch jetzt geht es darum, diese nächste Generation an das Turnier zu binden, den Spielern eine Perspektive in einer Partnerschaft mit den Gerry Weber Open aufzuzeigen. Es ist wichtig, diesen Spielern das Gefühl zu geben: Wir glauben an euch. So entstehen Freundschaften und Bindungen. Ich erwarte mir eine Menge von diesen jungen Burschen, vielleicht spielt sogar einer um den Titel mit. Es ist schön zu sehen, wie diese Newcomer gerade auch ihre eigene Persönlichkeit entwickeln.“
 
Sie bemühten sich im letzten Jahr schon einmal um Nummer eins-Spieler Novak Djokovic. Aber der spielt inzwischen gar keine Turniere mehr zwischen Paris und Wimbledon.
Ralf Weber: „Unser Interesse an ihm ist klar da. Das weiß auch sein Management. Aber es ist tatsächlich so, dass Djokovic Wimbledon auch ohne Vorbereitungsturnier gewinnt - und dass er diese Routine wohl nicht verlassen will. Wir würden ihn gerne bei uns sehen, 2017, zum Jubiläumsturnier. Aber zwingen können wir niemanden. Und wir müssen auch sehen, dass wir das alles in finanziell vertretbaren Dimensionen halten. Es gibt auch Grenzen des Machbaren.“
 
Gibt es einen Spieler neben Djokovic, wo Sie sagen. Den möchte ich unbedingt in Halle spielen sehen.
Ralf Weber: „Da sind keine ganz großen Wünsche offen. Nadal war bei uns, der hat sich sportlich nicht mit Ruhm bekleckert. Stan Wawrinka wäre interessant, vielleicht bringen wir noch mal beide Schweizer Weltklasseleute und Grand Slam-Sieger an den Start. Bei der Champions Trophy, dem Schaukampf am Eröffnungswochenende, wünsche ich mir noch einmal einen gemeinsamen Auftritt von Steffi Graf und Andre Agassi - gerade mit Blick auf unseren 25. Geburtstag.“
 
Die Fluglinie Emirates und die Jumeirah-Hotelkette gehören 2016 zu den neuen Sponsoren. Was sagen diese Geldgeber, warum sie beim Turnier einsteigen.
Ralf Weber: „Die Internationalität des Turniers, seine globale Ausstrahlung, das ist wichtig. Und die Tatsache, dass der deutsche Markt ganz allgemein für sie interessant ist. Wenn diese Firmen Kunden zu uns einladen, dann bekommen sie auch etwas geboten - diesen großzügigen VIP-Bereich gibt es kaum anderswo in dieser Ausprägung. Das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal. Aber wenn wir hier Sponsorenpartner beim Turnier über die Anlage führen, dann sind die auch immer begeistert von unserem Rahmenprogramm. Von dem, was wir allen Zuschauern anbieten an Entertainment. Wir haben ein stimmiges Gesamtpaket. Und wir werden nie müde, neue Akzente zu setzen. Wir waren im Übrigen schon früh ausverkauft bei unseren Firmenlogen, das ist zu hundert Prozent vermarktet.“
 
Die Familie Weber und das Unternehmen GERRY WEBER International haben sich lange für das deutsche Herrentennis engagiert, nicht nur mit dem Turnier, sondern auch im Management von Spielern, mit dem Breakpoint Team, mit der Bundesliga-Mannschaft. Wie bewerten Sie da nun den aktuellen Status der deutschen Herren auf der ATP-Tour.
Ralf Weber: „Wir sind natürlich verwöhnt worden. Durch die Becker- und Stich-Zeit. Und dann auch noch einmal durch Haas und Kiefer, die beide in den Top Ten drin waren, auch in Halle Eindruck hinterlassen haben. Ich will hier nicht in die Diskussion über den Verband oder die allgemeinen Versäumnisse einsteigen. Das ist müßig. Wir müssen nach vorne blicken, schauen, dass Deutschland professionelle Strukturen entwickelt, die die Entwicklung von Topspielern ermöglichen. Mit Alexander Zverev haben wir jetzt einen Potenzialspieler, einen, der Großes schaffen kann. Und wir sind froh, dass er für uns an einen Drei-Jahres-Vertrag gebunden ist. Er kann zu einer neuen Identifikationsfigur werden.“
 
Nächstes Jahr feiern die GERRY WEBER OPEN ihren 25. Geburtstag: Was erwartet die Fans da, welche Pläne gibt es bereits.
Ralf Weber: „Das ist schon eine große Wegmarke. Wir wollen diese Erfolgsgeschichte auch wirklich gebührend feiern, es wird sicherlich eine Art Familientreffen aller Stars des Turniers geben, der früheren Champions. Aber wir werden auch ein paar Überraschungen in Petto haben.“

GERRY WEBER OPEN-Turnierdirektor Ralf Weber sieht das ATP 500er-Rasenevent optimal aufgestellt und „lieferte den Anstoß für die Renaissance des Rasentennis“. © GERRY WEBER International AG (HalleWestfalen)