28. GRASS COURT OPEN HALLE 13. – 21. Juni 2020

TICKET CENTER 05201 81 80 Mo. bis Fr. 10–17 und Sa. 10–13 Uhr

Roger Federer holt den zehnten Titel

Im Finale hat David Goffin nur zu Beginn eine Chance

Auf einen Rekord folgt bei Roger Federer der nächste. Der bisher neunfache Champion des Rasenturniers von Halle ist nun zehnfacher Champion. Der Sieg bei den 27. NOVENTI OPEN bringt dem Schweizer den ersten „Zehner“ seiner Karriere – kein anderes Turnier hat er so oft gewonnen. Im Finale hat der Belgier David Goffin beim 7:6(2), 6:1 nur zu Beginn eine Chance. „Ich kann das gar nicht fassen. Als ich 2000 hier erstmals gespielt habe, war es undenkbar für mich, dass ich hier irgendwann zehnmal den Titel holen werde“, sagte der Champion bei der Siegerehrung.

Vor seinem 155. Finale – was für eine Zahl! – hatte Federer unglaublich entspannt und gelöst gewirkt. Er hatte mit Severin Lüthi und seinem Physio Daniel Troxler auf einem Treppenabsatz Tennisfußball gespielt, Späße gemacht und viel gelacht. Na klar, die Rollen sind ja auch klar verteilt. Im direkten Vergleich führt er 7:1 gegen Goffin und auf Rasen ist man als achtfacher Wimbledonsieger ja immer Favorit.

Auf dem Court weicht die Entspannung aber bald einer merklichen Anspannung. Zu viel kommt da von der anderen Seite zurück. David Goffin knüpft da an, wo er gegen Alexander Zverev  und Matteo Berrettini aufgehört hat. Wer sagt, man brauche Aufschlag und Vorhand, um auf Rasen zu bestehen? Das geht auch mit Rückhand, Returns und Beinarbeit. Noch dazu gibt er sich bei eigenem Aufschlag keine Blöße zu Beginn, serviert oft in den Körper. 

Im fünften Spiel unterläuft Federer bei 0:30 auch noch ein Vorhandfehler: drei Breakbälle für den Belgier, für den Außenseiter. Diesmal hat der Maestro Glück, zwei Returns von Goffin bleiben an der Netzkante kleben, eine Vorhand setzt er ins Aus: Einstand. "Solche Chancen darfst du gegen Roger nicht liegen lassen", erklärte der Belgier später. Federer packt jetzt alles aus, stemmt sich gegen das Break, spielt einen Zuckerstop, später ein Ass, hält das Service. Im siebten Spiel wider 0:30 gegen ihn. Federer wankt, bleibt aber stehen, lässt Gewinnschlägen nun ein „Come on“ folgen – der Kampf ist endgültig eröffnet.

Bei 5:4 muss dann Goffin Nervenstärke beweisen, wehrt ein 0:30 ab. Es folgt die ultimative Entscheidung – der Tie-Break. Und die wahren Champions, die Sieger von 101 Turnieren, von 20 Grand-Slam-Endspielen,  die spielen dort groß auf. Und das tat der Rekordchampion von Halle. Ein Mini-Break zum 2:1, ein fantastischer Halbvolley zum 4:1, später ein Ass zum 6:2 und vier Satzbällen. Der erste sitzt, als Goffins Return ins Aus segelt. „Diesen Satz habe ich ihm ein bisschen gestohlen, da war er lange der Bessere“, gestand Federer ein.

Die 11.500 Zuschauer auf dem ausverkauften Centre Court im Gerry Weber Stadion erleben dann, wie der Schweizer weiter aufdreht, sofort ein Break im zweiten nachlegt. Der Federer-Express rollt nun, der Zug aus Belgien kommt ins Stocken. Nach einem frechen Returnstop und entschuldigender Geste hat der Schweizer im fünften Spiel wieder Breakchancen. Er nutzt sie und ist mit 4:1 auf der Zielgeraden. Das Haller Publikum, das Federer sehr verehrt, unterstützt nun auch den Gegner, will mehr Tennis sehen. Aber der Maestro ist anderer Meinung und verwandelt nach 82 Minuten den ersten Matchball. Aus 101 Turniersieg sind 102 Siege geworden. Am Ende fast ganz entspannt. Wie in der Vorbereitung. Ist die immer so locker? "Wenn es möglich ist und wir unbeobachtet sind, dann schon", sagt Roger Federer und lacht: "Ich bin meistens in den Minuten vor dem Match relaxed. Du kannst nicht wie ein Boxer stundenlang mental im Tunnel sein. Dafür haben wir zu viele Matches pro Jahr. Das geht nicht."

Er hat ihn: den zehnten Titel in Halle feiert Roger Federer ganz besonders. FOTO: NOVENTI OPEN/KET
Unterlag im Finale: David Goffin, hier mit Turnierdirektor Ralf Weber (l.) und Dr. Hermann Sommer, Geschäftsführer der NOVENTI GmbH (r.). FOTO: NOVENTI OPEN/KET
Die beiden besten Spieler der Turnierwoche: David Goffin (l.) und Rekordchampion Roger Federer. FOTO: NOVENTI OPEN/KET