27. GERRY WEBER OPEN  15. – 23. Juni 2019

GERRY WEBER TICKET CENTER 05201 81 80 Mo. bis Fr. 9–18 und Sa. 9–13 Uhr

„Sie haben die Renaissance des Rasentennis mit angestoßen“

Stich lobt die Macher von HalleWestfalen für Weitsicht

Als Angelique Kerber am Samstag anlässlich ihrer Stippvisite bei den 24. GERRY WEBER OPEN gefragt wurde, was sich für sie geändert habe, sorgte ihre spontane Antwort erst einmal für Heiterkeit: „Voriges Jahr, als ich in Halle war, da war ich noch keine Grand Slam-Siegerin.“ Das stimmte, und es stimmte natürlich auch, was Kerber danach hinzufügte: „Jetzt werde ich natürlich viel genauer beobachtet, jeder Schritt. Alles, was ich tue“, sagte sie, „es brauchte seine Zeit, um damit fertig zu werden.“ Jetzt aber, so betonte Kerber, „habe ich irgendwie wieder meine Mitte gefunden. Bin gerüstet für das, was auf mich zukommt.“

Kerbers größter Tag, ein Fest-Tag für Tennisdeutschland, hallt immer noch nach. Ein Echo dieses 30. Januar 2016 reichte auch bis nach HalleWestfalen, zu den GERRY WEBER OPEN. „Der Vorverkauf für die ‚Schauinsland-Reisen Champions Trophy‘ mit Angie hat sofort angezogen. Die Fans wollten unbedingt Tickets“, sagt Turnierdirektor Ralf Weber, dem Kerber schon vor zwölf Monaten per Handschlag ihr neuerliches Kommen zu dem beliebten Schaumatch zugesagt hatte. Gemeinsam mit Nicolas Kiefer trat Kerber am gestrigen Samstagabend gegen die Kombination Sabine Lisicki/Michael Stich an, ein rein deutsches Quartett stand da vor 11.050 Zuschauern auf dem Centre Court, im GERRY WEBER STADION - aber Kerber, die Pokalgewinnerin einer dramatischen Nacht in Melbourne gegen Serena Williams, war schon der Star unter den Stars. Gefeiert und bejubelt von den Fans beim 6:2, 3:6, 10:4-Sieg, im Mittelpunkt Dutzender, Hunderter Autogrammjäger jeglichen Alters. „Es ist immer etwas ganz Spezielles, etwas ganz Besonderes, vor heimischem Publikum zu spielen“, sagte Kerber später, „besonders hier in Halle, mit diesem begeisterungsfähigen Publikum.“

Kerber schaltete in einer kleinen Talkrunde vor dem Auftritt bei der >Schauinsland Reisen-Champions Trophy< auf Angriffsmodus für die kommenden Wochen der schweren Herausforderungen. „Ich will in Wimbledon bei der Titelvergabe ein Wörtchen mitreden“, sagte die 28-Jährige, die als erste deutsche Spielerin nach Steffi Graf (1999, Paris) wieder eins der vier Grand Slam-Turniere gewonnen hatte, „ich mag das Turnier. Gras kommt meinem Spiel auch entgegen.“ Ihr Ziel sei, in den nächsten Jahren noch weitere Major-Wettbewerbe zu gewinnen, sagte Kerber, „ich spüre, dass da noch mehr möglich ist für mich.“ Kerber hatte sich in den Tagen vor ihrem Abstecher nach HalleWestfalen in Mallorca auf die Rasensaison vorbereitet. Sie spielt in der kommenden Woche dann beim Turnier in Birmingham.

Michael Stich, bei der >Schauinsland-Reisen Champions Trophy< Gegenspieler von Kerber, sprach von einem „tollen Moment, den Angie dem deutschen Tennis und dem deutschen Sport“ als Grand Slam-Siegerin beschert hat: „Wir haben alle lange auf so einen Triumph gewartet. Schön, dass sich harte Arbeit bei ihr so ausgezahlt hat.“ Stich rückte in einer Gesprächsrunde im VIP-Bereich auch die Bedeutung der GERRY WEBER OPEN für das deutsche und internationale Herren-Tennis in den Vordergrund: „Es war schön, dass sich hier eine neue Plattform für die deutschen Profis ergab. Und dass sich daraus auch eine Renaissance fürs Rasentennis entwickelte“, sagte der Wimbledonsieger des Jahres 1991, der am Hamburger Rothenbaum selbst als umsichtiger, kompetenter Turnierdirektor tätig ist.

Stich, der als erster Deutscher 1994 in HalleWestfalen gewann,  machte Turnierdirektor Ralf Weber und den anwesenden Initiatoren Gerhard Weber und Udo Hardieck ein großes Kompliment: „Dass dieser tolle Weg eingeschlagen wurde, hängt auch mit der Leidenschaft und dem Engagement der Entscheider hier zu tun. Es ging hier nicht zuallererst darum, das schnelle Geld zu verdienen. Man hat in längeren Zeiträumen gedacht, mit Perspektive und Weitsicht.“

Stich sagte, das moderne Spiel habe sich auf allen Belägen deutlich angenähert. Gleichzeitig glaube er aber immer noch daran, dass ein variabler und flexibler Athlet auch auf Rasen stets Vorteile habe: „Zum Spiel gehören eben auch Slice, Stopp, Lob und der Angriff. Einem Pete Sampras würde ich auch heute in Wimbledon jederzeit die Chance auf den Titel geben.“ Trainer sollten vielmehr auf die stilistische Vielfalt bei Spielern achten, so Stich, „es schadet nämlich nie, für Aufgaben in einem Match mehrere Lösungen zu haben.“

Ehemaliger Tennisstar und Wimbledonsieger, kompetenter Turnierdirektor am Hamburger Rothenbaum und nun auch Schiedsrichter bei der "Schauinsland-Reisen Champions Trophy 2016" in der ostwestfälischen Eventarena: Michael Stich ist gern gesehener Gast bei den GERRY WEBER OPEN. © GERRY WEBER OPEN_KET (HalleWestfalen)