27. NOVENTI OPEN  15. – 23. Juni 2019

TICKET CENTER 05201 81 80 Mo. bis Fr. 9–17 und Sa. 9–13 Uhr

Interview mit Florian Mayer

Wie gut tut es bei den Gerry Weber Open mit einem 6-2, 6-2 Sieg in das Turnier reinzugehen?
Das ist natürlich toll. Das Jahr lief ja nicht gerade erfolgreich bisher und ja, das ist ein toller Sieg für mich heute. Ich weiß nicht, ich gehe hier auf den Center Court und bin ein anderer Mensch irgendwie (lacht) und das ist immer wieder faszinierend.
Was ist so faszinierend? Der Rasen oder die Menschen, die Ihnen ja auch eine gewisse Empathie entgegenbringen?
Ja, beides. Der Rasen ist halt sehr speziell sage ich mal, für einige auch denke ich mal nicht so leicht zu spielen und ich habe mich hier immer schon wohl gefühlt, auch mit dem sehr flachen Absprung, dann mit den Leuten hier, die Unterstützung und so ist das hier Jahr für Jahr für mich schöner geworden und habe hier auch immer sehr gute Leistungen gebracht.
Das ist aber nicht verklärt aufgrund des großen Sieges von 2016?
Ja, natürlich. Das ist mein größter Erfolg in meiner Karriere gewesen. Von daher wird dieses Turnier immer ganz weit oben, wenn nicht wirklich an erster Stelle auf meiner Ranking stehen.
Wie sehen Sie diese Phase jetzt? Erleben Sie das Profitennis jetzt noch mal intensiver?
Ja, man weiß, diese Momente, solche Siege vor so vielen Leuten hier in Deutschland wird es einfach nicht mehr geben. Das sind Emotionen, es ist schwierig, so was Ähnliches zu erleben nach der Karriere und, klar, ich genieße das nochmal. Ich bin froh und dankbar, hier einen Wild Card bekommen zu haben und will einfach nochmal jedes Match genießen, alles reinhauen, und dann wird man sehen, mit so einer Leistung wie heute bin ich jetzt denke ich auch für den einen oder anderen gefährlich.
Letztes Jahr hatten Sie gesagt, dass Sie sich so eine Abschiedstour nicht vorstellen können, dass Sie jetzt noch 12 Monate spielen. Wie ist jetzt das Gefühl?
Ich habe das ja vor den BMW Open bekanntgegeben, Mitte April, und die Sandsaison verlief sage ich mal bescheiden. Auch mein Körper war richtig schlecht, habe viele Probleme mit dem Rücken und mit dem Arm gehabt, aber jetzt die letzten Wochen war es wieder besser, auch in Stuttgart habe ich schon ordentlich gespielt und klar, da liegt mir der Rasen und vielleicht die Höhe da sind jetzt nicht ganz so meine Bedingungen, aber hier ist es sofort auch vom ersten Tag im Training wieder, dieses besondere Flair hier, die Lust, wieder hier auf dem Center Court spielen zu dürfen, das ist einfach etwas ganz Spezielles für mich.
Sie haben ja gemerkt, dass er verletzt war. Wie ist das, war das dann schwieriger für Sie?
Ja, natürlich ist es dann nicht leicht, die Spannung aufrechtzuhalten, weil man schaut dann rüber, ach, vielleicht gibt er doch auf. Aber so ist der Sieg für mich natürlich besser, dass er dann durchgespielt hat. Klar weiß ich, dass er ab vielleicht 4-1 im ersten nicht mehr beim Vollbesitz seiner Kräfte war. Aber ich glaube auch so wäre es heute, wenn ich so gespielt … also für ihn wäre es sehr schwer geworden glaube ich, mich zu schlagen heute mit der Form wie ich gespielt habe.
Hat er etwas gesagt?
Ja, ich glaube, an der Rippe hat ihm was weh getan und man hat es dann gesehen, er hat nur noch so 170 km/h aufgeschlagen, ein bisschen langsamer und ist nicht mehr ganz so in die Ecken gelaufen. Aber es ist schwierig, er hat ein Turnier gewonnen, vier Matches auf Rasen, das ist für den Körper eine totale Umstellung von Sand auf Rasen, die ganze Belastung und er war sicherlich ein bisschen müde auch, und da habe ich ihm Anfang gleich so ein bisschen den Zahn gezogen, und da ist er dann nicht mehr so ganz rausgekommen.
Sie sind das letzte Mal in Halle: War die Anreise etwas Besonderes und auch die Vorbereitung für das erste Match in dem Bewusstsein, es könnte das letzte sein?
Ja, ich war vor dem Match schon tierisch nervös muss ich zugeben, weil ich wollte unbedingt heute nochmal gut spielen, auch die Wild Card bestätigen, dass ich es nochmal verdient habe, hier mitzuspielen und es war schon auch die letzten Tage auch hier, man kennst so viele Leute, die fürs Turnier arbeiten, und jetzt war auch zum ersten Mal meine Freundin zum Glück dabei, konnte mich hier in Halle live spielen sehen und zwei sehr gute Freunde. Das war einfach nochmal auch für mich toll, wirklich die Unterstützung gespürt zu haben. Ich bin am Donnerstag schon angereist und vom ersten Tag an, mich wieder super wohl gefühlt und bin einfach in dieser Zone hier drin gewesen, in meinem Element.
Ist es auch so, dass diese positiven Emotionen dann auch wieder vieles wettmachen, Blessuren, wenn der Körper mal nicht so mitmacht, wieder viel zu trainieren? Das sind dann so Momente, die einem wieder ganz viel zurückgeben wahrscheinlich?
Auf jeden Fall, genau. So haben Sie es gut ausgedrückt (lacht). Also es war eine sehr schwierige Zeit Anfang des Jahres mit vielen Verletzungen, Niederlagen, aber solche Momente hier auf dem Center Court, die vergisst man einfach nicht.
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