26. GERRY WEBER OPEN vom 18. – 24. Juni 2018

Ticket Center 05201 8180 Mo. bis Fr. 9–18 und Sa. 9–13 Uhr

Interview mit Philipp Kohlschreiber

Haben Sie jemals einen so spannenden Tiebreak gespielt?
Philipp Kohlschreiber: Ja, schwer zu sagen. Ich glaube so lange im dritten ging es noch nie. Absoluter Nervenkrieg, unglaublich viel Spannung, Adrenalin, Nervenkitzel. Es ist an sich schon sehr anstrengend gewesen, da einfach ruhig zu bleiben, cool zu bleiben und vielleicht es auch mal blöd gesagt zu genießen. Es war einfach eine Bombenstimmung, aber schlussendlich will man ja als Sieger vom Platz gehen. Ich bin natürlich absolut froh, dass ich es am Ende doch noch geschafft habe.
Bei zehn beide haben Sie eine Vorhand ins Netz gespielt, wo Sie ihn eigentlich hätten passieren müssten, cross longline vorbei. Dachten Sie da auch, jetzt ist das Spiel vorbei oder haben Sie gedacht, ich packe das noch?
Philipp Kohlschreiber: Ne, im Endeffekt muss man ja sagen, hat er die Punkte bei seinem Aufschlag gemacht. Wenn man es so sieht, ist gar nicht viel passiert, aber klar, es war natürlich ein riesen Punkt, den ich gewinnen musste. Ich glaube, ich habe mir auch gute Chancen im Vorfeld rausgearbeitet und war auch im dritten Satz vorne. Er kam bärenstark zurück. Und ich glaube im Tiebreak da war es einfach pures Glück oder was weiß ich, derjenige, der ein bisschen cooler war, auch den letzten muss er nicht so vergeben, es war an sich ein recht einfacher Schlag. Aber so ist der Sport. Es muss bei uns immer einer verlieren. Das ist schade. Ich denke, dass wir beide heute Haller Tennisgeschichte geschrieben haben und das Publikum absolut begeistert haben. Ich bin glücklich, dass ich mit meiner Art, ruhig zu bleiben, mich dann in den richtigen Situationen zu pushen, dann meine Emotionen rausgelassen zu haben. Es ist sicher kein einfaches Match. Man weiß oft gar nicht, was so passiert. Manchmal kriegt man einfachen einen Winner, wo man denkt, war eigentlich ein guter Ball von mir. Aber so ist es einfach gewesen, habe ich mich auch drauf eingestellt und von daher bin ich sehr zufrieden, wie ich mit dem umgegangen bin.
Haben Sie das Spiel gestern von Brown gegen Nadal live im Stadion verfolgen können?
Philipp Kohlschreiber: Bis 5:4 im ersten Satz. Dann bin ich gegangen.
Hat es Sie gewundert, dass Dustin Brown nach dem Spiel gestern heute wieder so eine Leistung abrufen kann? Es waren nicht mal vierundzwanzig Stunden danach.
Philipp Kohlschreiber: Weiß ich jetzt nicht. Ich denke, dass Dustin viel gutes Tennis in sich drinne hat und gestern hat er bewiesen, dass er unglaublich aggressiv und es auf Rasen auch richtig lebt, dass er viel nach vorne kommt, viel riskiert und da hat er heute ähnlich gemacht. Ich denke, ich war im ersten Satz sehr solide, ich habe gut returniert. Ich konnte seinen Aufschlag oft parieren, was ihm wahrscheinlich wehgetan hat. Ich denke, dass im ersten Satz die Konstanz von mir den Satz für mich gewonnen hat. Im zweiten habe ich ihn reinkommen lassen, habe ein ganz schlechtes Spiel gehabt mit drei Doppelfehlern. Ich denke, dass das ihn sicherlich auch stark gemacht hat. Der zweite Satz war ja eh für Rasentennis absolut verrückt. 0:5, 5 beide und dann zu Null ein Break und 5:7. Danke. Also das war einfach ganz komisch.
Ihre Bilanz gegen Falla ist ja ziemlich gut. Da müsste ja eigentlich das Finale jetzt Ihr Ziel sein?
Philipp Kohlschreiber: Ich denke von uns beiden ist das Finale das Ziel. Wenn man so kurz davor steht, um am Sonntag noch im Turnier zu sein, da werden wir beide Vollgas spielen. Ich habe wahrscheinlich mehr Matches gegen Falla gewonnen als verloren, aber man darf nicht unterschätzen, dass er schon sehr gute und unangenehme Matches hatte auch auf großer Bühne. Ich habe ihn zwei Mal gesehen bei Olympia und in Wimbledon, wo er Roger Federer fast schon rausgehauen hat. Er spielt sehr unangenehmes Tennis, ist jetzt nicht so der Hard Puncher, aber verteilt die Bälle sehr flach, sehr unangenehm. Wir brauchen nicht zu erwähnen, dass er ein Linkshänder ist, das macht es auch noch immer ein bisschen spannender. Ich weiß aber, dass ich ein gutes Spiel gegen ihn habe, das habe ich immer im Hinterkopf. Aber es muss morgen einfach gegen ihn gespielt werden. Wir gehen beide mit dem Ziel natürlich das Finale zu erreichen rein und werden alles geben.
Es gab in Ihrer Karriere schon einige Höhepunkte und auch Tiefpunkte. Jetzt mit Düsseldorf ist der Run wieder da. Fühlen Sie sich jetzt wieder in einer aufstrebenden Phase und wie weit kann es gehen?
Philipp Kohlschreiber: Wenn die letzten Wochen eine abstrebende Phase wären, dann wäre ich darüber sehr glücklich. Natürlich freue ich mich momentan wie es für mich läuft. Ich gewinne die engen Matche. Ich habe am Anfang des Jahres schon auch einige verloren, gegen Isner 7:6 im dritten in Miami. Jetzt bin ich froh, dass ich immer dran geblieben bin und momentan Matches gewinne. Manchmal kann man es einfach nicht beschreiben. Ich hatte auch da meine Chancen in den Matches, hab es vielleicht gegen eine Übermacht Anfang der Saison bei den wichtigen Punkten gegenübergestanden und jetzt cool geblieben, dran geglaubt und hart dafür gearbeitet. Auch heute war es definitiv ein absolutes Mind Game, immer dranzubleiben, nicht zu wissen, kommt mal ein Doppelfehler, riskiert er beim Breakball mehr. Es war einfach vom Kopf her sehr gut. Es gab wenig für mich zu spielen. Im Endeffekt musste ich returnieren und vielleicht ab und zu ein Passierschlag, aber ich kann mich nicht dran erinnern, dass ich mehr als drei Rückhände cross mal gespielt habe im ganzen Match und das ist einfach verdammt unangenehm, weil für ihn fühlt es sich vielleicht gut an, aber jeder andere spielt ein Tennis, was man vielleicht ein bisschen mehr lesen kann.
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