27. GERRY WEBER OPEN  15. – 23. Juni 2019

GERRY WEBER TICKET CENTER 05201 81 80 Mo. bis Fr. 10–17 und Sa. 10–13 Uhr

Interview mit Philipp Kohlschreiber

Jetzt haben sie am Ende doch gewonnen durch Aufgabe, aber wie war denn das Gefühl dort draußen?
War gar nicht so schlecht. Ich glaube, dass Marton ganz gut gespielt hat, mir das Leben sehr schwer gemacht hat. Er ist sehr gut gelaufen, hat mit seiner Rückhand schön das Tempo variiert und mit der Vorhand viel Druck gemacht. Ja, es war sehr hart umkämpft. Und ich konnte dann vielleicht Anfang des zweiten Satzes so ein bisschen das Momentum auf meine Seite ziehen, wo ich dieses ewig lange Spiel dann für mich entschieden habe. Ja, da hat es so ein bisschen angefangen, sich besser anzufühlen das Match.
Ich habe mir eben mal Ihre zwei möglichen Gegner für die nächste Runde angesehen. Können Sie sagen, was Sie da erwarten?
Das sind Ebden und Jaziri glaube ich. Was soll ich sagen? Gegen Ebden, da müsste ich überlegen, ob ich da schon mal gespielt habe. Das weiß ich nicht. Jaziri schön öfter. Den würde ich auch eher so ein bisschen auf Sand … also da habe ich ihn öfter gesehen, dass er sich vielleicht eher auf Sand wohlfühlt, aber ich habe auch schon mal in Wimbledon gegen ihn gespielt. Was soll ich sagen? Ja, ein Spieler, der auch schon lange auf der Tour ist, auf jeden Fall eine machbare Aufgabe, falls es Jaziri wird. Und Matthew Ebden hat glaube ich letzte Woche Halbfinale gespielt in s’Hertogenbosch und deswegen das Special hier bekommen. Australier, spielt sicherlich auf schnellen Belägen immer unangenehm, was man eben so erwartet von Australiern, guter Aufschlag, guter Return, gutes Spiel nach vorne und eben dann auf schnellen Belägen, wenn sie einen guten Tag haben, das ganz gut spielen und unangenehm werden.
In Stuttgart hat es ja noch nicht so geklappt. Inwieweit war das jetzt hier im nächsten Rasenturnier eine Steigerung?
Es war auf jeden Fall eine Steigerung. Also ich würde sagen, die Qualität des Spiels war von mir doch deutlich besser. Es hat sich auch besser angefühlt. Ja, da brauchen wir nicht drüber zu reden, dass es sehr schade ist, dass ein Match so zu Ende geht. Es war ein harter Fight. Und wie gesagt, ich wünsche auch meinem Gegner, dass er natürlich eine gute Genesung und so schnell wie möglich auf die Beine kommt. So will man nicht gewinnen, aber so ist es halt heute. So kriege ich noch mal eine Chance, hier, was glaube ich ganz gut ist, nochmal eine Rasenmatch zu spielen. Ich hoffe, dass da noch eine kleine Steigerung möglich ist, aber im Großen und Ganzen fand ich jetzt Einstellung und Kämpferherz sage ich jetzt mal heute positiv und ich schaue da auch auf die nächste Runde mit einer guten Chance, noch mal weiterzukommen.
Sie haben ja im Vorfeld gesagt, dass Sie ganz zufrieden sind mit Ihrer Weltranglistenposition, aber auch immer weiter nach vorne gucken. Sagen Sie sich bei Ihrer Planung auch, ach da könnte ich weitere Punkte holen, mich weiter verbessern?
Es hängt ja immer von dem ab, wie man das Jahr zuvor gespielt hat. Meine Rasensaison letztes Jahr war nicht gut, keine gute Ausbeute, deswegen weiß ich ja, dass wenn ich jetzt hier oder in Wimbledon paar Matches gewinne, sicherlich noch mal einen kleinen Schritt nach vorne machen kann, aber es ergibt sich einfach. Man darf glaube ich nicht den Fehler machen jetzt in irgend so eine Denkermentalität kommen und sagen, uh, ich stehe vielleicht knapp vor den ersten 20, wo ich hin will, das wäre so ein kleiner Schritt, wo man sich noch mal freuen würde. Aber das Leben verändert sich nicht, ob ich jetzt 24 stehe oder 19, das macht vielleicht irgendwo mal eine Setzung aus, aber es gibt auch, wie in Paris zu sehen, da ist man dann vielleicht doch gesetzt, kriegt dann ein unangenehmes erstes Los. Also von dem her gibt es so viele Faktoren, aber das Leben verändert sich nicht durch die Ranglistenposition. Ich versuche weiterhin an mir, an meinem Spiel jeden Tag zu arbeiten. Auch deswegen haben wir uns hier fleißig für Halle vorbereitet. Wir waren ja schon ab Mittwoch hier, viel Tennis gespielt, damit die Formkurve wieder nach oben geht. Und phasenweise hat es heute schon sehr gut geklappt, phasenweise noch ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen, aber deswegen ist so ein nächstes Match noch mal ganz gut.
Sie haben hier ja schon zig Mal gespielt und gab es vielleicht außer Ihrem Turniersieg verschiedene Dinge, die ungewöhnlich waren, die lustig waren? Können Sie uns da mal einige Geschichten erzählen?
Geschichten, die lustig sind? Also mein Leben ist ja nicht lustig, so geht’s ja schon mal los. Ich war bis jetzt bis auf gestern jeden Tag golfen. Ich weiß aber nicht, ob das lustig ist. Ich versuche, einen gewisse Lockerheit bei mir wirken zu lassen und ganz klare Absprache, wer fleißig trainiert, darf auch nach dem Training sich ein bisschen entspannen und die Dinge machen, die ihm Spaß machen. Deswegen ist ja nur fünf Minuten von hier der Golfplatz. Aber das ist jetzt nichts Lustiges.
Darf ich fragen, welches Handicap Sie haben?
Es gibt kein Handicap, weil ich wahrscheinlich auch in meinem Leben nie ein Golfturnier spielen werde. Aber ich sage mal Bogey Golf das kriege ich schon hin, also so 18 über auf so einem Platz, das ist so Normalform, aber es kann auch mal natürlich ganz schlimm werden oder auch mal ein bisschen besser. Also da schwanke ich so ein bisschen.
Wie viel WM gucken Sie gerade?
Jetzt nicht jedes Spiel 90 Minuten, aber man guckt schon immer wieder rein. Warum?
Ich frage nur, weil Sie sind ja wohl eher golffixiert?
Also ich habe Deutschland natürlich gesehen und bin danach nochmal kurz dann raus. Ich bin nicht so ein riesen Fan von diesen ganzen Vorrundenspielen. Es gibt zum Glück sehr viele Überraschungen. Deswegen macht es es dann doch wieder interessant, aber ich bin eigentlich so ein KO-Typ, wahrscheinlich geprägt durchs Tennis. Ich bin da nicht so Round Robin wie wir es auch mal hatten, man kann verlieren und dann trotzdem irgendwie noch weiterkommen. Das ist irgendwie komisch, vielleicht auch manchmal langweilig, wenn die Favoriten sich irgendwie immer durchsetzen. Es gibt ja auch ein paar Gruppen, die vielleicht ein bisschen einfacher sind für die Favoriten. Aber eben die Überraschungen sind da und deswegen wird es dann doch spannender, als es vielleicht auch für unser deutsches Team ... ja, als wir wollten.
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