28. GRASS COURT OPEN HALLE 13. – 21. Juni 2020

TICKET CENTER 05201 81 80 Mo. bis Fr. 10–17 und Sa. 10–13 Uhr

Interview mit Philipp Kohlschreiber

Im ersten Satz sah alles gut bei Ihnen aus und dann im zweiten wirkte es als seien Sie in ein Loch gefallen. Woran lag das?
Ja, bestimmt am Gegner. Ja, Loch gefallen? Ich weiß nicht, ich habe auch gerade eine Diskussion mit meinem Coach geführt. Er hat gemeint, ich bin zu passiv geworden, habe nicht mehr so druckvoll gespielt. Das muss man einerseits natürlich so auch sagen. Ich fand, dass mein Gegner dann irgendwann einfach sehr sehr gut gespielt hat, sich in so einen Rausch reingespielt hat, kaum noch Fehler irgendwie gemacht hat, meine Aufschläge besser gelesen hat und hat in seinen Aufschlagspielen nichts mehr anbrennen lassen. Er hat mir so ein bisschen den Rhythmus geraubt, indem er eben gut das Tempo variiert hat und heute war sicherlich meine Form nicht ganz so gut wie ich es mir vorgestellt habe und da hat er natürlich dann auch mit seinem Slice, langen Bällen ganz gut reingearbeitet.
Gerade im ersten Satz sah es so aus als ob Sie seine Serve and Volleys gut einschätzen konnten. Hat er dann darauf auch reagiert im zweiten?
Er hat dann ein bisschen weniger Serve und Volley gespielt. Ja, irgendwie hat er dann sehr gut volliert irgendwie. Wie gesagt, ich habe ein anderes Gefühl als mein Coach heute. Ich habe das Gefühl gehabt, dass er sich in so einen Rausch reingespielt hat, wo ich keine Möglichkeit gefunden habe, ob es jetzt längere Ballwechsel, kürzere waren, er war einfach immer cleverer oder raffinierter, in dem was er gemacht hat, um an Punkte zu kommen, und da hatte ich wenig oder kaum Mittel, dagegen zu halten.
Eine Frage, die gar nicht unmittelbar mit dem Match zu tun hat. Merken Sie, dass das Dach offen oder geschlossen ist? Wie beeinflusst das das Spiel?
Man merkt minimal vielleicht, es hallt alles vielleicht ein bisschen mehr, aber es war sehr gut zu spielen. Der Platz war extrem trocken fand ich. Man konnte sich gut bewegen. Wenn es dann mal hart regnet, das kriegt man dann auch mit, dann ist man ganz froh, dass man spielen kann, dann geht das normale Matchgeschehen weiter. Also von dem her war ich eigentlich auch hochmotiviert und habe eigentlich auch Spaß gehabt, das Ergebnis war im zweiten und dritten Satz zu deutlich und das macht dann weniger Spaß. Aber an sich, eigentlich hat sich alles ganz gut irgendwie angefühlt, nur dass es dann erschreckenderweise sehr stark in einen Richtung nur noch gegangen ist.
Sie sind eigentlich ja jemand, der nicht unbedingt ich sage mal Wert legt auf die Bälle…?
Welche Bälle?
Die Bälle, die von den Ballkindern kommen?
Echt?
Habe ich so das Gefühl?
Okay. Das ist falsch.
Ja? Genau das wollte ich fragen: Heute hatte ich den Eindruck, dass Sie viel länger auf den Ball geguckt haben. Was sind hier die Kriterien?
Man schaut erstmal, ob der Ball weiße, ja Farbe würde ich nicht sagen, von den Linien weiße Flecken drauf hat, wenn man sich mal ein bisschen ungewiss war, also so eine Art Kontrolle, ob der noch die Linie berührt hat, das kann man manchmal am Ball sehen, und ich schaue mir meine Bälle schon genau an. Also ich gebe auch genau die Bälle weiter, die ich – ich schlage ja nur mit einem Ball auf, einer geht immer … der schlechteste der drei Bälle geht immer in die Ecke, wo das Ballmädchen oder der Balljunge ist, die mir nicht den Ball zuwirft und der bessere geht dann in die Ecke, wo ich dann für meinen zweiten Aufschlag den Ball brauche. Also passe ich schon auf.
Der Balljunge oder das Ballmädchen hat nur den einen Ball zur Verfügung?
Nein, leider nicht, aber so kann ich wenigstens einen der drei Bälle … also 50 Prozent der Bälle in der Hand, da kann ich schon so eine gewisse Vorauswahl treffen, manchmal gebe ich zwei Bälle weiter in die andere Ecke. Also da schaue ich schon so meine Routine, sich so ein bisschen darauf zu konzentrieren. Hat halt heute nicht funktioniert.
Was bedeutet die relativ kurze Rasensaison für Sie auf dem Weg nach Wimbledon?
Tja, was soll man sagen? Neues Turnier, neues Glück. Steigerung schon zu Stuttgart. Ja, heute auch gekämpft, alles gegeben, aber nicht so dann das Rezept gehabt, nicht mehr den Anschluss gefunden. Er konnte zu weit wegziehen, bei den Breaks sind mir zu viele Eigenfehler passiert, daran arbeiten, dass ich stabiler werde, sicherer und dann kann ich vielleicht ganz locker nach Wimbledon gehen. Die Turniere vorher waren jetzt noch nicht so wie man es sich vorgestellt hat. Hoffen wir, dass das wichtigste Rasenturnier dann besser wird.
Alle Interviews