27. GERRY WEBER OPEN  15. – 23. Juni 2019

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Interview mit Roger Federer

Roger, auch wenn die persönliche Begrüßung schon erfolgt ist, wir freuen uns sehr, dass Sie mittlerweile zum 16. Mal bei uns zu Gast sind. Dass Sie Rekordgewinner sind, wissen wir alle, aber auch seit diesem Jahr Rekordteilnehmer.
Aha, so gefällt’s mir (lacht).
So soll das bitte die nächsten Jahre auch bleiben.
Okay.
Sie haben vorher schon über Zahlen gesprochen. Welchen Stellenwert haben diese teilweise unfassbaren Rekorde?
Das kommt drauf an welche natürlich, aber es ist schon speziell in der Geschichte von meinem Lieblingssport selber da zu stehen. Das ist nicht etwas, was ich jemals gedacht habe als kleiner Bub, dass ich irgendwie in Rekordbüchern jemals stehen würde. Das Ziel war, so gut zu werden wie möglich, hoffentlich auf den großen Plätzen auf der Welt zu stehen, vielleicht mal irgendein Idol von mir zu treffen, ja und mal einen Pokal in die Höhe zu stemmen, aber nicht solche Zahlen zu erreichen. Das war für mich irgendwie unmöglich. Darum ist vielleicht die Freude so schön und auch bin ich immer am Boden geblieben, weil ich weiß, es ist nicht ganz normal, nicht Realität, aber ich akzeptiere und nehme es als Challenge eben zu verteidigen oder gewisse Messlatten noch höher zu bekommen. Es hat vieles gut geklappt natürlich in meiner Karriere.
Wie fühlen Sie sich nach der Turnierwoche mental und körperlich?
Ich fühle mich wunderbar eigentlich. Ich bin froh, ich konnte heute trainieren, weil nach einer langen Woche ist es immer schön zu sehen, dass ich aus dem Finale gekommen bin und mich wohl fühle und kein Problem gehabt habe, noch eine Stunde zu spielen. Ich musste mich auch nicht überwinden oder irgendwie. Es war schnell entschieden mit Ivan, der jetzt diese Woche dabei ist. Auch eben die ganze Reiserei. Gestern zurück in die Schweiz gefahren, heute herfliegen, hat mich jetzt nicht irgendwie großartig müder gemacht habe ich das Gefühl, aber ich glaube, es wird sicher wichtig werden, dass ich heute gut schlafe, dass ich mich erholen kann trotz allem, obwohl ich es nicht spüre. Vielleicht ist auch der Grund, weil ich weiß, ich darf keinen Hänger haben, weil morgen geht es ja sofort wieder weiter. Ich bin natürlich auch noch im Hoch natürlich von dem Sieg gestern in Stuttgart.
Sie haben gestern gesagt, dass die nächsten 24 Stunden ein bisschen hektisch werden können. Was war denn das hektischste in den letzten 24 Stunden? Brasilien – Schweiz?
Ja, vielleicht, die letzten 30 Minuten waren vielleicht am hektischsten. Keine Ahnung. Aber heute war ruhig, die Anreise war angenehm. Auch die Fahrt gestern zurück war ruhig. Ich hätte mir noch ein bisschen weniger Leute auf der Straße erhofft gehabt, weil Deutschland hat ja gespielt in der Zeit. Da habe ich gedacht, da ist kein Mensch auf der Autobahn, aber so war es trotzdem nicht. Ich glaube einfach, jetzt ankommen, auspacken, sofort auf den Platz zu gehen, mich aufwärmen, das war vielleicht auch ein bisschen hektisch. Aber alles im Griff, ich fühle mich wunderbar und bin froh, hier in Halle zu sein.
Das Spiel Schweiz gegen Brasilien gestern. Wie haben Sie dieses Spiel wahrgenommen und sind Sie stolz, wie die Schweizer Nationalmannschaft sich geschlagen hat?
Ja, es war sicher unglaublich. Als Schweizer sind wir sicher zufrieden mit einem Unentschieden Ich hatte eigentlich die ganze Zeit ein gutes Gefühl für die Schweizer Nationalmannschaft im Vorfeld. Auf einmal gestern war ich nicht mehr so … hatte kein Selbstvertrauen mehr und habe gedacht, wir verlieren gegen Brasilien. Von daher bin ich positiv überrascht worden, dass wir ein Unentschieden herausgekämpft haben. Aber es ist noch nicht viel gewonnen eigentlich mit dem einen Punkt. Die Weichen sind gestellt, aber jetzt kommen eigentlich die Hauptschwierigen gegen Serbien und Costa Rica. Ich hoffe natürlich, dass wir da weiterhin gut spielen können, aber es wird natürlich ein ganz anderes Spiel werden. Wir müssen wahrscheinlich mehr auch selber Spiel machen als zu reagieren. Nicht dass ich jetzt irgendwie ein Coach wäre oder ein Fußballprofi, aber das werden noch mal verschiedene Taktik, die angewendet werden muss. Aber ich war nervös und ich war angespannt und habe mich gefreut, gegen so einen riesen Gegner wie Brasilien, dass die Schweizer dagegen halten konnten und das war der perfekte Auftakt für uns Schweizer.
Sie haben in Stuttgart bestätigt, dass ein neuer Ausrüstervertrag ausgehandelt wird. Im Match wäre das eine Frage der Optik, aber wie ist das mit den Schuhen. Wie sensibel sind oder waren Sie im Verlauf Ihrer Karriere mit den Schuhen?
Also wo ich jung war, habe ich immer so viele verschiedene Schuhe angezogen wie es nur ging wegen den Farben. Da war mir manchmal meine Gesundheit so ein bisschen egal. Und dann irgendwann mal ab 2005 habe ich dann gesagt, vielleicht doch nicht unbedingt. Dann bin ich unterdessen die Welt Nummer 1 geworden. Da soll man vielleicht das gleich Modell oder wenigstens das Innenleben vom Schuh beibehalten. Darum ich glaube, ich bin irgendwo flexibel, aber gleichzeitig muss man sicher aufpassen, was man da macht. Das ist mit dem Schläger auch so. Schuhe und Schläger sind natürlich äußerst wichtig. Darum bin ich selber gespannt, was da passieren wird.
Haben Sie bewusst jetzt die Option wahrgenommen, morgen zu spielen. Es hätte ja auch theoretisch der Start am Mittwoch sein können oder wollten Sie im Rhythmus bleiben?
Es war eigentlich schon lang, lang abgemacht, dass ich am Dienstag spiele. Und wenn es eben fünf Matches am Stück geben würde, ist es kein Problem, aber wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich lieber Dienstag, Mittwoch frei und dann wieder Donnerstag spielen. Und ich habe eigentlich das Gefühl gehabt, dass ich auch nicht zu müde war in Stuttgart, obwohl eben auch das Match gegen Kyrgios irgendwo lang und hart war. Auch die Punkte waren eigentlich ziemlich schnell schnell. Klar, da braucht man immer wieder eine hohe Anspannung für jeden Punkt. Aber ich habe mich nicht wahnsinnig machen lassen von den ganzen Assen und Doppelfehlern und schnellen Punkten, dass ich gemerkt habe, für mich ist Dienstag zu spielen eigentlich okay. Und ich hätte immer noch die Möglichkeit gehabt, vielleicht am Sonntagabend, doch noch eben gestern, mich beim Turnier zu melden und zu sagen, mir wäre es jetzt doch lieber am Mittwoch und ich glaube, das wäre dann schon okay gewesen für das Turnier. Aber so bleibe ich vielleicht auch lieber im Rhythmus drin wie Sie es angesprochen haben, lass mich nicht noch mal in so ein Loch fallen, bleibe jetzt im Rhythmus und hoffe jetzt eben, dass ich das wichtige erste Spiel morgen gewinnen kann, dass ich dann am Mittwoch einen etwas ruhigeren Tag habe. Aber wir werden sehen.
Sie haben gestern ein Foto getwittert, das Sie am Steuer Ihres Mercedes zeigt auf der Fahrt in die Schweiz. Ich habe gedacht, Mensch nach so einem anstrengenden Tag, das fährt er doch nicht selber. Macht Ihnen das Spaß, selber zu fahren?
Ich fahre gerne selber. Ich fahre selber in Indian Wells, in Miami, in Australien, in Dubai, Basel, eben nach Stuttgart auch. Ja, also ich fahre an sehr vielen Turnieren selber. Mir gefällt die Idee, dass wir alleine im Auto sind mit der Mannschaft, nicht immer mit einem Fahrer. Da können wir auch mal die Musik richtig laut stellen, nicht dass wir so was nicht könnten mit einem Fahrer, aber wir kontrollieren das Fahrzeug, die Fenster gehen runter, die Musik geht hoch, wenn man Lust hat, wenn nicht, dann müssen wir nicht immer, „dürfen wir?" und „wäre es möglich?“ und so weiter. Bei einigen Turnieren habe ich auch immer die gleichen Fahrer, weil ich komme ja immer wieder zu den gleichen Turnieren zurück und da ist auch irgendwo ein Vertrauen da mit den Fahrern. Aber wenn ich selber fahren kann, ist das für mich wie Freiheit und eben gestern hat halt dann meine Mannschaft gesagt, willst Du Dich nicht erholen? Ich bin mit dem Physio zurückgefahren und habe ihm gesagt, nein, nein ich fahre gern selber, wenn ich schon mal jetzt hier längere Strecken zurücklegen kann auf der Autobahn in Deutschland. Das ist nicht jeden Tag, dass wir da mal fahren können (lacht). So habe ich das genossen und bin selber gefahren (lacht). Aber alles immer kontrolliert. Ich habe vier Kinder und eine Frau und Freunde, die sich alle Sorgen mache. Ich bin heil hier. Darum alles ist gut (lacht).
Alex Zverev und Dominic Thiem haben gesagt, es ist knifflig den Wechsel von Sand auf Rasen hinzubekommen. Wie schwer ist dieser Wechsel und wie lange sind Sie schon auf Rasen unterwegs mit Training?
Seit zwei, drei Wochen vielleicht. Schon zu lange.
Also geht es nicht direkt auf Hartplatz?
Zuerst war ich noch in Dubai und dann war ich auf Hartplatz einen Monat lang. Also ich bin dann auf Hartplatz geblieben. Also so lange auf Rasen ist dann vielleicht auch wieder nicht ganz perfekt, weil eben die Ballwechsel sind zu kurz. Man geht nicht mehr ans Limit mit der Pumpe. Also man verliert schon ein bisschen auch Fitness auf dem Rasen würde ich mal meinen. Und darum habe ich viel Kondition gemacht und bin dann auf dem Hartplatz geblieben. Und Rasen findet man auch nicht um jede Ecke und darum hat sich das so ergeben in diesem Jahr.
In einer solch großen Pause zwischen zwei Turnieren, ist da auch Zeit zu analysieren, vielleicht auch trotz des Sieges zu hinterfragen oder sagen Sie, jetzt lass ich es einfach laufen, es läuft ja gut? Und auch grundsätzlich, wenn man viel gewinnt, analysiert man da automatisch weniger?
Ja, man hinterfragt automatisch weniger, weil man ist einfach im Fluss drin, gewinnt. Die Probleme schwinden mit Siegen und von dem her bist du viel klarer im Kopf, wie du spielen musst. Vor allem jetzt auch in Stuttgart letzte Woche war es ziemlich simpel die Vorgaben. Ich wusste genau, auf was ich mich konzentrieren muss plus noch zwei, drei Eckpfeiler und das war alles. Ich glaube, jetzt her in Halle wird es schon ein paar mehr Ballwechsel von der Grundlinie geben und dann in Wimbledon noch mal ein bisschen mehr. Darum gibt es da eine kleine Umstellung wahrscheinlich auch von der Geduld her und wie ich das Spiel aufbauen muss. Aber eigentlich haben wir jetzt nicht so viel Zeit mit Ivan. Ich werde mich aber sicher informieren, was er jetzt von der ganzen letzten Woche gehalten hat und dann glaube ich, die große Analyse wird dann vielleicht nach Halle, in der Woche vor Wimbledon stattfinden. Aber momentan bin ich total zufrieden. Wir werden ja sowieso jetzt jedes Match vorbereiten und dann auch noch analysieren in der kleinen Form. Aber eben Rasen ist auch ziemlich intuitiv vom Feeling her. Aber ich bin auf gewisse Tipps schon angewiesen, auch zu wissen von der Statistik her so ein bisschen zu wissen, was ich machen müsste und was eher nicht, und von dem her haben wir ein eingespieltes Team und das funktioniert alles wunderbar.
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