28. GRASS COURT OPEN HALLE 13. – 21. Juni 2020

TICKET CENTER 05201 81 80 Mo. bis Fr. 10–17 und Sa. 10–13 Uhr

Interview mit Roger Federer

Sie haben mit Jo-Wilfried Tsonga glaube ich noch eine Rechnung offen aus Wimbledon, ich glaube 2011, fünf Sätze und Sie hatten glaube ich einen einzigen Breakpunkt.
Ich hatte keinen einzigen Breakpunkt?
Nein, Sie hatten einen.
Ja, es war schwierig, aber ich habe ja trotzdem zwei Sätze zu null geführt. Also es war ja nicht alles so schlimm und schlecht und einseitig, aber als ich mich erinnern kann vor allem an die letzten drei Sätze und vielleicht eben schon anfangs des zweiten war es eben schwierig ihn zu breaken. Es war die ganze Zeit das gleiche Spiel, Aufschlag, Vorhand, Aufschlag, Vorhand, das war wie im Film oder, es war wie so ein Repeat-System drin. Er hat einfach diese Aufschläge und Vorhand runtergespielt und reingedonnert, das war wirklich total impressive, das war wirklich Wahnsinn. Ich weiß ja, dass Jo gut spielen kann, das hat er ja auch in anderen Momenten gegen mich bewiesen. Mich freut es natürlich, dass er wieder zurück ist. Es ist viel passiert unterdessens, seit 2011, wir hatten beide Operationen seither, sind beide immer noch auf der Tour. Das ist schön zu sehen. Ich kenne ihn gut natürlich, und ich war auch mal auf einer Exhibition-Tour mit ihm in Südamerika. Wir kommen sehr gut aus und eben auch ob jetzt auf Sand oder Rasen oder Hartplatz, ich finde, er ist überall gefährlich. Ich glaube, bei den French Open hat er mich auch mal geschlagen. Also er weiß, wie an den großen Turnieren, mich zu bezwingen. Ich habe mit ihm in Miami trainiert vor ein paar Wochen. Da hat er wunderbar ausgeschaut fand ich, auch im Training schon. Also ich erwarte ein hartes Spiel. Heute hat er auch traumhaft serviert, ich glaube, er hat 15 Asse gehabt und hat das top gemacht. Und das ist natürlich eine schwere Auslosung für eine zweite Runde, aber es ist ein 500er Turnier in Halle, hier gibt es eigentlich nicht unbedingt leichte Gegner. Da bin ich nicht überrascht, dass es hier hart auf hart geht sofort.
Sie haben gesagt, Sie haben einen klaren Spielplan gehabt. Im zweiten Punkt bei Ihrem Aufschlag haben Sie Serve und Volley gespielt, dann vielleicht noch einmal das ganze Spiel? War das entgegen des Spielplans oder weshalb haben Sie so wenig Serve und Volley gespielt, weniger als auf Sand zuletzt?
Ja, eben, was interessant ist, auf Sand eigentlich ist, dass die Gegner ganz weit hinter der Grundlinie spielen und das gibt mir mehr Zeit natürlich noch mehr ans Netz vorzurücken. Hier habe ich dann schnell mal gemerkt, nach den ersten zwei, drei Aufschlagspielen, dass ich eigentlich sehr viel Aufschlag-Winners bekomme, dass es gar nicht eigentlich einen Grund gab, zu viel Serve und Volley zu spielen, und häufig habe ich Serve und Volley gespielt, aber dann hat er dann den Return verzogen oder es war ein As. Von dem her habe ich dann einfach gemerkt, ich habe vielleicht ein bisschen mehr Kontrolle, wenn ich auf dem Aufschlag hinten bleibe und er nicht irgendwie einen Return spät trifft und dann zischt er an mir vorbei. Dann kann ich es ein bisschen besser kontrollieren, wenn ich hinten bleibe, aber eben das Ziel war eigentlich schon, immer wieder Serve und Volley einzustreuen. Und eben ich habe dann auch gemerkt, dass ich das ja auch noch mehr bringen könnte, wenn ich müsste, weil ich habe gesehen, das ist ja sicher auch eine Option, wenn er jetzt wirklich die Grundlinie total dominieren würde, was nicht ganz der Fall war. Von dem her, was nicht eigentlich der Plan war, ich habe dann im Spiel eigentlich selber gemerkt, dass es eigentlich vielleicht ein bisschen sicherer ist, das nicht zu viel zu machen.
Wir wissen, dass Sie sich im Vorfeld, als es hier ein bisschen Schwierigkeiten gab in diesem Jahr viel eingesetzt haben für das Turnier, auch Ralf Weber angerufen haben. Wie bewerten Sie sozusagen die Preisgeldentwicklung im Tennis? Das scheint ja Turniere wie Halle in Schwierigkeiten bringen zu können zumindest und es ging ja in den letzten Jahren wirklich rasant nach oben?
Ja, das ist sicher interessant. Ich glaube, eben wo wir sicher am meisten den Hebel ansetzten müssten wahrscheinlich, das ist bei den Grand Slams und bei den Masters 1000, weil das sind die … diese turniere profitieren sicher auch eben, dass sie keine Antrittsgagen zahlen müssen. Die Spieler kommen dort hin, und klar machen sie unglaubliche Werbung fürs Tennis, sind top organisiert und alles, aber auch die machen wirklich extrem viel Profit und der könnte ein bisschen mehr geteilt werden natürlich, und da natürlich die 250er und 500er immer nachziehen müssen, ist es sehr sehr schwierig, weil ich will nicht sagen die 250er und 500er sind meine Lieblingsturniere, aber ich hab sie sehr sehr gerne. Es ist ein bisschen mehr familiär, nicht so ganz so ein riesen Raster immer die ganze Zeit, es ist ein bisschen ruhiger das Ganze. Das gefällt mir extrem gut, weil die 100er und die Grand Slams, die sind einfach ein riesen Event natürlich. Und von dem her verstehe ich natürlich auch die Sorge von den 250ern und 500ern. Es ist ja auch nicht so, dass die Antrittsgagen nach unten gegangen wären in den letzten paar Jahren, und von dem her ist es sicher kompliziert. Aber ich glaube, der Weg ist schon für mich ziemlich klar, wo wenn wir mehr Preisgeld haben wollen oder uns das, wie soll ich sagen, uns das verdienen, dann ist das bei den 1000er und bei den Grand Slams.
Wie nervös sind Sie eigentlich, wenn Sie da selber auf dem Platz stehen nach so vielen Jahren hier in Halle, wenn man auch merkt, die Erwartungshaltung der Fans ist ja eigentlich klar, wo es hingehen soll auch zum Wochenende hin, am Sonntag dass Sie das auf dem Platz stehen sollen? Spielt das eine Rolle, wenn man das weiß?
Ja, bis zu einem gewissen Grad schon. Ich bin ganz ehrlich lieber in der Position, wo das von mir erwartet wird, als, das wäre ein riesen Ding oder Glück, wenn er im Finale stehen würde, das heißt irgendetwas ist im Vorfeld nicht gut gelaufen oder mein Spiel ist nicht da oder ich bin nicht mehr so wie früher, keine Ahnung was. Also von dem her ist es sicher etwas Positives. Nervosität heute war eigentlich überraschend klein. Ich fand, ich war gut vorbereitet. Wo ich die Auslosung auch bekommen habe, war ich erfreut über die Auslosung und nicht irgendwie so, oh Gott, John Millman. Von dem her ich glaube, da fängt es mal an. Häufig geht es bei mir durch den Bauch, dass ich so Nervenkitzel im Bauch spüre, so ein bisschen, aha, okay, jetzt geht’s los, aber heute hatte ich das nur kurz, wo ich mit meinem Coach Severin zusammen gesprochen habe über die Taktik, weil da kommt der Stress kurz hoch und da denkst du, okay, wie gehen die Spielzüge noch mal, was wollen wir alles noch mal probieren, an was muss ich mich alles erinnern, und du merkst, da wird es jetzt richtig ernst. Aber im Moment, wo ich auf den Platz gegangen bin, war ich total relaxt und cool und das ist ein gutes Gefühl natürlich, weil natürlich eben auch da, wenn man zwischen den Spielen, vor den Spielen mit Nervosität rumläuft und da den Stress spürt, dass man auch dann im Verlauf vom Turnier schneller müde wird und das ist jetzt sicher mal gut, dass ich da gut durchgekommen bin. Morgen habe ich frei, habe ich gehört. Von dem her ist es sicher auch ein idealer Auftakt für mich. Und eben wie gesagt, ich glaube, dass mein Spiel sicher auch noch stärker sein wird morgen oder übermorgen und morgen könnte ich sogar noch ein paar Sachen trainieren wahrscheinlich. Mal schauen, was alles entscheiden mit dem Team.
Es wurde vorhin ein interessantes Thema mit dem Preisgeld angesprochen, Sie haben gesagt 1000er und Grand Slams sollten mehr zahlen, und eigentlich wäre es ja auch für die Entwicklung des Tennissports wichtig, dass sich die Spieler zwischen 500 und 300 einen Coach und einen Physio leisten können. Sehen Sie da eine Lösung, weil es ändert ja nichts, wenn die Top 30 noch mehr verdienen und die kleinen Turniere nichts davon haben?
Gut Grand Slam sind Top 250, also nur mal da. Beim Masters 1000 sind sicher auch die Top 100, Top 150, bei den Challengern muss sicher das Geld rauf, ist auch klar, wenn man irgendwo ins Juche fährt und da irgendwo kämpft, dass man über 500 Euro macht für einen Erstrundensieg, ist es sicher noch nicht gut genug. Ich weiß, wir haben da schon mehr am Laufen, die Challengers sind auch schon besser organisiert, professioneller, besser dotiert. Man könnte auch ein bisschen, ich sage mal die Preisgeldentwicklung auch umstellen bei den 250er und 500er, dass vielleicht eben am Anfang oder auch in der Quali mehr Preisgeld da rein geht und nicht immer nur unbedingt zu den Siegern. Ob jetzt der Sieger, keine Ahnung, wie viel der Sieger jetzt hier bekommt, ich weiß es wirklich nicht, ichmüsste es wissen, aber ich weiß es nicht, ob es 500.000 ist. Ob der Sieger 500.000 macht oder 420.000, am Schluss könnte man das auch mehr nach links schieben. Aber ich glaube das wird sowieso ein bisschen mehr die Entwicklung werden. Das Ziel muss sein, dass natürlich mehr Spieler profitieren können und dadurch besser reisen können und sich ein besseres Leben durch das erarbeiten können und vielleicht auch eine bessere Mannschaft haben. Darum bin ich auch gegen die Entwicklung, dass wir Coaching haben an den US Open von der Tribüne aus. Ich finde es eigentlich unfair, weil ich finde, ich habe das beste Team der Welt. Darum, dass ich noch Coaching bekomme von denen und ein anderer, der vielleicht keinen Coach hat oder keinen richtigen Coach hat, der ist eigentlich schlechter dran schon. Von dem her solche Entwicklungen sehe ich eigentlich nicht so gerne, ganz ehrlich.
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