28. GRASS COURT OPEN HALLE 13. – 21. Juni 2020

TICKET CENTER 05201 81 80 Mo. bis Fr. 10–17 und Sa. 10–13 Uhr

Interview mit Roger Federer

Hatten Sie auch so viel Spaß wie wir? Ich hatte so den Eindruck, Sie packen tief in die Kiste, spielen viele Winkel, riskieren viel, um auszutesten, was im Moment gut geht?
Ja, gut, ich glaube, wenn man gegen jemanden spielt wie Roberto, der sehr gut in der Diagonale drin ist und auch eben mit seinen harten, flachen Schlägen ist man fast gezwungen bis zu einem gewissen Grade, das ist ein bisschen weniger testen, das ist fast schon (lacht), so ein gewisses man muss wechseln, einfach um zu sehen, wie ist er im Platz drin, dann kann ich ihn wieder nach hinten drängen, eben auch das Spiel ein bisschen von hinten testen, nicht nur Seite zu Seite. Aber das macht seinen Stärke aus, er kann in seinem Rhythmus drin bleiben und einfach sein Ding runterspielen und ich bin eigentlich der, der die ganze Zeit am Wechseln ist. Man kann sagen das ist schön, weil ich habe Variationsmöglichkeiten, aber gleichzeitig will ich mal meinen, wenn es ganz ganz wichtig ist, ist es natürlich auch schön, einfach zu sagen, ich spiele einfach mein Ding und sehr simpel und sehr gnadenlos eigentlich oder. Darum war ich eigentlich sehr zufrieden mit dem Spiel. Es war eigentlich hochstehend. Ich habe mich gut gefühlt, vor allem im ersten Satz. Der erste Satz war super. Ich habe mich super auch wieder zurück gekämpft im dritten Satz dann und er musste wirklich über längere Zeit sehr sehr stark spielen, um eben mit mir zu bleiben oder eben zurück ins Spiel zu finden. Und von dem her konnte ich das eigentlich locker akzeptieren. Es gab immer wieder Chancen, aber das waren vielleicht nur Halbchancen auch. Dann vielleicht brauchte ich ein bisschen Hilfe von ihm am Schluss, aber trotzdem ist es sicher auch ein bisschen passiert, weil eben der Druck auch immer ein bisschen gestiegen ist am Schluss.
Sie haben am Sonntag gesagt, im Rasentennis braucht man so einen Energieschub. Und jetzt heute habe ich ab dem zweiten Satz das Gefühl gehabt, dass er fast mehr Energie hatte, aus Rückhandecken gespielte Ballwechsel mehr zu kontrollieren. Hat Ihnen vielleicht dieser Energieschub ein bisschen gefehlt, um ihn mehr zum Laufen zu zwingen?
Das macht er natürlich besser als viele viele auf der Tour natürlich eben. Wenn er mal in der Rückhandecke drin ist mit der Vorhand kann er eben beide Richtungen spielen, inside out wie inside in, die sind beide schnell. Von dem her mein Problem war, vor allem im zweiten Satz habe ich das Gefühl, dass ich einfach nicht genügend gut gespielt habe anfangs Punkte vom Game. Häufig war es dann 30-0 hinten und bei 30-0 auf Rasen ist es egal, wer am Servieren ist, wer am Spielen ist, dann breakst du wahrscheinlich irgendwie zehn Prozent der Zeit, wenn überhaupt. Es ist einfach schwierig und von dem her wäre es mal schön gewesen, auch mal bei 15 beide irgendwie da reinzufinden und dann ein bisschen Druck zu erzeugen und das ist mir einfach nicht gelungen. Eben das war sein Verdienst. Viellicht auch manchmal war ich zu passiv, dann wieder zu offensiv, aber das hat natürlich eben auch mit seiner soliden Spielweise zu tun. Vielleicht hat mir ein bisschen die Energie gefehlt, keine Ahnung, aber ich habe das Gefühl dann im dritten Satz, ist es auf jeden Fall wieder zurückgekommen, weil eben die Ballwechsel waren hart eben durch meinen Slice und sein Auftreten von der Rückhandecke mit der Vorhand musste ich viel laufen auch und habe natürlich dann auch so ein bisschen die Beine gespürt, aber das war eigentlich gut auch, weil somit wusste ich, man kann jetzt das nicht das zu Ende so spielen die ganze Zeit immer nur rennen, rennen, rennen, aber irgendwann mal muss ich auch wieder an den Drücker kommen und ein bisschen mein Spiel aufziehen. Und ich habe das Gefühl, das ist mir dann immer mehr und mehr gelungen. Ich konnte eigentlich das Momentum auf meine Seite zwingen mehr und mehr und habe mich auch immer besser gefühlt, und vielleicht war das eben auch das, was am Schluss den Ausschlag gemacht hat für seine unerzwungenen Fehler am Schluss.
Nach dem Ausscheiden von Sascha heute ruhen die Hoffnungen auf Ihnen. Sie sind der Publikumsliebling hier. Das hat man auch heute wieder gesehen im Viertelfinale. Gefällt Ihnen diese Rolle oder verspüren Sie nach so vielen Jahren hier tatsächlich auch noch eine gewisse Art von Druck, den zehnten Titel gewinnen zu müssen vielleicht?
Nicht wirklich, nein. Also ich freue mich riesig, dass das Publikum hinter mir steht, dass das vielleicht von mir erwartet wird, aber ich bin lieber in der Position als das die Leute meinen, oh, das wäre ja unglaublich, wenn er das gewinnen würde. Von dem her ist mir das sehr wohl diese Situation. Also ob jetzt Sascha gewonnen hat oder nicht, macht jetzt keinen großen Unterschied für mich ganz ehrlich. Ich komme ja nicht gegen Goffin. Von dem her geht es für mich gegen Herbert weiter. Das macht total Spaß hier immer in Halle zu spielen. Ich bedanke mich immer so häufig und so viel ich kann bei den Zuschauern, die vielleicht von weit weg gekommen sind, nicht nur eben von hier, aber aus ganz Deutschland, die viel Geld in die Hand genommen haben und den Weg hier her gefunden haben und denken, dass es eine tolle Sport-, Tenniswoche sein soll oder ein schöner Tag werden sollte als Familie und so weiter, und von dem her finde ich das sehr sehr schön und bin natürlich unendlich dankbar, dass das Turnier weiter super Zahlen schreibt auch, mit den Zuschauerzahlen auch. Das ist wichtig für die Spieler, fürs Turnier hier in Halle, und mir hilft es natürlich. Das ist ein gewisser Heimvorteil, den kann man auch so irgendwie erklären, indem man das Gefühl hat, man hat wie Rückenwind und wenn man dann eben richtig mit dem umgeht, mit dem Heimvorteil, dann hat man eben das Gefühl, dass wenn es wichtig wird, geht es bei dir so ein bisschen abwärts, also im guten Sinne wie beim Velo fahren oder Fahrrad fahren, und beim Gegner so ein bisschen aufwärts leicht. Am Anfang muss man sich ein bisschen daran gewöhnen, wenn man jung ist, weil man eben denkt, der Druck ist zu hoch und alle schaue, wie ich in welchem Moment die Vorhand spiele, und kann ich das wirklich alles bringen im wichtigen Moment, und wenn man älter ist, also bei mir jetzt, ich nehme das ziemlich locker und natürlich probiere ich absolut mein Bestes und ich weiß, dass ich das sowieso immer tue, dann hilft mir das Publikum, gibt mir eben das Gefühl von der Gegner spielt nicht nur gegen mich, aber eben so ein bisschen gegen die Wand von Zuschauern auch. Und von dem her genieße ich das natürlich auch. Das ist nicht immer normal, dass ich so ein bisschen den Heimvorteil habe, aber so lange das der Fall ist, nütze ich das aus, ohne unfair zu sein natürlich.
Freuen Sie sich aufs Halbfinale? Ich habe gerade gedacht, ich habe nicht richtig hingeguckt beim Head-to-Head. Da steht nichts?
Da ist nix los.
Da ist gar nichts los?
Nein, aber wir kennen uns vom Training. Der war mal in der Schweiz der Pierre-Hugues. Der kann perfekt Deutsch auch. Das wusste ich lange Zeit gar nicht. Es gibt ein paar auf der Tour, die können besser Deutsch als ich (lacht), ich kämpfe. Nein, er ist ein netter Typ und eben auf Rasen habe ich das Gefühl, das sein Spiel mehr zum Tragen kommt, ist klar, weil er hat eben die Möglichkeiten, wenn es hinten irgendwie ein bisschen hapert, dann, okay, Flucht nach vorne. Auf Rasen geht das gut und er returniert auch sehr sehr gut, wen er auf dem Ball ist und sich entscheidet, so jetzt mache ich die Rückhand zu, ob jetzt Vor- oder Rückhand du da reinservierst, dann kann es ganz gefährlich werden. Und das macht ihn eben auch so gut im Doppel. Da muss ich sicher auch aufpassen, noch mal ein bisschen über die Bücher gehen, wie ich das dann genau aufziehen will auf meinen eigenen Aufschlagspielen. Er hat sicher so ein bisschen seine eigene Technik in allen Schlägen, aber ich kennen ihn ebene vom Training gut und habe auch viel mit ihm trainiert. Von dem her ist das von der Seite nicht ganz etwas Neues, aber natürlich, wo er genau hin spielt, wie er genau in wichtigen Punkten sich entscheiden wir, das wird sich dann zeigen morgen, und das ist vielleicht jetzt ein kleiner Vorteil, den er hat, dass ich ihn eben nicht so gut kenne wie vielleicht Bautista Agut oder Tsonga oder andere natürlich.
Sie hatten jetzt zwei sehr harte Spiele gegen zwei unterschiedliche Spielertypen, gegen die Sie nicht leicht gewonnen haben. Aber das Endziel ist ja dann doch Wimbledon. Ist das im Hinblick darauf sehr gut an physischem Test, wenn da getestet wird, ist es eigentlich fast optimal?
Optimal wäre kürzere Matches. Jedes Match, das kürzer ist, ist besser. Wenn man jünger ist lässt man sich da so ein bisschen reinreden, dass es gut ist, getestet zu werden, das ist immer falsch, aber Ihr könnt sie gerne weiter fragen die Fragen an alle Spieler, vielleicht geben Ihnen manche Spieler Recht, aber ich habe es lieber kürzer. Jetzt ich war ja getestet in der Sandplatzsaison. Das ist ja nicht so wie im letzten Jahr oder vorletzten Jahr, wo ich froh war, vielleicht eben ein bisschen länger zu spielen bis zu einem gewissen Grade zu schauen, kommt da noch Muskelkater raus, habe ich noch irgendwelche Probleme, wenn es hart auf hart geht. Natürlich jetzt, weil es eben die Rasensaison ist könnte es sein, dass eben so etwas stattfindet, aber ich muss ganz ehrlich sagen, der Körper hat wunderbar reagiert auf die neue Unterlage. Von dem her hoffe ich auf schnelle Spiele im positiven Sinne morgen, aber auch wenn nicht, kein Problem, ich habe noch genügend Zeit, mich zu erholen nach Wimbledon. Darum ist eigentlich der Fokus wie jedes Jahr hier nur auf Halle und die Vorfreude dann ist erst auf Wimbledon, wenn dies hier vorbei ist. Aber so lange ich hier bin und im Bett schlafe hier im Hotel, bin ich hier in Halle und nicht momentan in Wimbledon.
Alle Interviews