28. GRASS COURT OPEN HALLE 13. – 21. Juni 2020

TICKET CENTER 05201 81 80 Mo. bis Fr. 10–17 und Sa. 10–13 Uhr

Interview mit Roger Federer

Würden Sie nochmal einen Blick zurück in die Woche werfen? Womit waren Sie zufrieden, was muss sich verbessern?
Es war ganz okay hier. Vielleicht habe ich auch ein bisschen gespürt natürlich, dass ich nicht ganz so viele Tage Vorbereitung gehabt habe wie sonst hier in Halle. Ich glaube, die Woche war aber auch nicht ganz einfach mit dem Wetter. Es war doch immer frisch und die Warm-ups waren drei Mal von fünf glaube ich indoor für mich. Ich habe eigentlich gedacht, das war ein Vorteil. Zum Schluss wäre es vielleicht doch besser gewesen auf Rasen zu bleiben, wenn es gegangen wäre, damit ich mich eben weiterhin an den Rasen gewöhnen konnte. So bin ich natürlich immer ins Match gekommen und habe da ein bisschen Mühe gehabt mit dem Rhythmus. Aber ich glaube, das Grundlinienspiel muss ich einfach einen Tick noch ein bisschen verbessern, aber ich glaube, das kommt dann automatisch in Wimbledon. Vom Aufschlag her bin ich zufrieden, ich bin auch zufrieden, dass ich auch schon in Stuttgart wie auch hier gut Serve and Volley gespielt habe, den Weg auch ans Netz gesucht habe. Ich würde das noch gern mehr machen im Transition drin, also eben von der Grundlinie dann den Weg ans Netz finden. Diese Woche ist mir das nicht einfach gefallen, aber das vielleicht auch, weil ich gegen zwei Serve-und-Volley-Spieler gespielt habe. Von dem her bin ich da nie richtig reingekommen. Und ganz ehrlich Kudla wie auch Coric haben es von hinten gut und stark getroffen, darum waren da vielleicht nicht so viele Möglichkeiten da wie gegen andere Spieler. Ja, und ich habe auch das Gefühl gehabt zum Schluss habe ich dann besser returniert heute. Von dem her bin ich eigentlich ganz zufrieden mit der Woche. Es geht immer einen Tick besser. Aber ganz ehrlich, ich kann zufrieden sein.
Macht das einen Unterschied, mit wie viel Selbstvertrauen Sie jetzt nach Wimbledon gehen, wenn Sie eben hier das Finale verloren haben oder spielt das keine Rolle und es ist einfach nur das Rasengefühl, was dafür nötig ist?
Das Selbstvertrauen ist ja wieder da. Ich glaube nicht, dass das Finale irgendetwas kaputt macht. Es wäre noch ein bisschen positiver gewesen das Ganze vom Feeling her. Aber ich glaube, da hilft mir meine Erfahrung, dass ich das eben gut einschätzen kann auch direkt nach dem Match zu wissen, okay, es gab viel Positive, kleine Sachen müssen wir eh noch abändern für Wimbledon. Die wären mit dem Sieg und der Niederlage gleich geblieben. Ich glaube jetzt nicht ganz ehrlich, ich besser Tennis spielen werde am Montag in einer Woche hätte ich jetzt hier heute noch gewonnen. Aber klar, der heutige Tag würde anders aussehen. Ich wäre freudiger, ich wäre lebendiger. Somit muss ich mich ein bisschen halt selber motivieren, aber zum Schluss geht das von alleine. Meine Mädchen sind hier. Ich freue mich auf meine Buben. Ich freue mich auf meine Frau. Ich freue mich, alle wiederzusehe. Von dem her geht es mir von der Hinsicht her wunderbar. Und ich freue mich schon riesig auf Wimbledon dann. Die Vorfreude ist groß. Titelverteidiger zu sein ist immer ein wunderbares Gefühl oder eben auch den Court zu eröffnen dann dort am Montag ist gut, denn die Woche war ja toll, die Zuschauer waren ein Traum. Gerhard und Ralf die machen so ein tolles Turnier hier, dann will ich auch nicht und habe auch gar keine Zeit, enttäuscht zu sein, weil es war ja eigentlich zum Schluss eine tolle Woche für alle. Da muss ich nicht noch irgendwie ein saures Gesicht machen zum Ganzen und alles kaputt machen für alle Leute. Ich habe genügend Erfahrung, dass ich das wegstecken kann und auch muss.
Bei wieviel Prozent sind Sie jetzt? Was denken Sie?
Prozent vom besten Spiel?
Von 100% auf Rasen?
Das ist so nicht einzuschätzen. Das kommt immer auf den Gegner drauf an. Hilft dir der Gegner ein bisschen, dann sieht es immer wunderbar aus, hilft er dir nicht so viel, dann ist das alles schwieriger. Ich habe heute phasenweise toll gespielt. Ja, es war gutes Tennis, wirklich ein hoher Level. Ich war auch beeindruckt von Coric. Er hat das wirklich toll gemacht und von meiner Seiter her weiß ich nicht, was ich noch mehr hätte machen können. Klar, das Doppelbreak sollte ich wahrscheinlich im dritten dann nicht mehr zulassen, aber es passiert dann halt manchmal. Der Zug war ja vielleicht sowieso fast schon abgefahren. Ja, wie gesagt, 100 Prozent könnte schon sein, aber ich habe keine Ahnung. 100 Prozent für mich wäre wahrscheinlich zu gewinnen. Von dem her ist es nicht einschätzbar. Aber ich bin sicher nahe dran und das ist schon mal super nach den drei Monaten, wo ich keine Turniere gespielt habe. Schön, dass ich überhaupt darüber so diskutieren kann.
Wie setzen Sie das in Relation – Sie haben ja gesagt, dass Sie drei Monate nicht gespielt haben …
Wer hat nicht gespielt?
Sie haben drei Monate nicht gespielt.
Ach ja, okay, ich habe verstanden, vielleicht jemand hat auf Rasen nicht gespielt.
Sie haben in diesen beiden Wochen so viel gespielt wie eigentlich noch nie in der Vorbereitung für Wimbledon. Wie setzen Sie das Relation, auch vielleicht die letzten Matches, wo es gut war?
Ich glaube, wichtig ist jetzt die nächste Woche, dass ich da konsequent mit der Mannschaft alles richtig mache in der Vorbereitung. Wie viel Pause, wie viel Training ist angesagt, aber ich weiß, dass Montag, Dienstag sicher frei sein werden. Das haben wir schon entschieden in der Mannschaft, dann wieder Donnerstag, Freitag Training. Wie intensiv, das wird sich dann zeige, aber ich nehme an, ich werde kurz und hart trainieren und auch spezifisch, und dann am Samstag werde ich nochmal frei nehmen, Sonntag Pressekonferenz und ein bisschen Training und am Montag geht’s los. Und das Gute ist ja auch, dass man an dem Grand Slam, sollte ich mal die erste Runde wieder mal gewinnen, dass man immer wieder mal Zeit hat, auch da zu trainieren. Aber klar, es kommt natürlich drauf an, wenn man natürlich dann fünf Sätze im Vorfeld gespielt hat, dann ist das nicht so einfach dann. Aber das Gute ist, ich glaube nicht, dass ich extrem viel Training brauche, um den Rhythmus zu finden. In Wimbledon findet man den schneller und ich habe jetzt auch drei Monate gut genug und lange hart trainiert. Darum ist eigentlich Erholung das absolut Wichtigste im Vorfeld zu Wimbledon, weil es könnte ja hart werden.
Ist Borna Coric ein gutes Beispiel dafür, dass diese Initiative der ATP der Next Generation einfach funktioniert, dass das Konzept aufgeht, diese Spieler auch bewusst mehr in den Fokus zu rücken?
Ja, also ich bin eben dafür, dass wir mehrere Geschichten gleichzeitig haben auf der Tour und nicht der ganze Fokus eben nur auf der Spitze ist mit Rafa, Djokovic, mir usw. Klar man muss sich das selber auch verdienen, ist ja logisch. Ich weiß nicht, was passiert ist in den letzten Jahren natürlich. Vielleicht ist es mit dem Punktesystem bei uns, ist es einfach nicht mehr so einfach irgendwie einen riesen Satz nach vorne zu machen. Ich weiß nicht, ob das früher einfacher war? Ich habe auch das Gefühl gehabt, ich in meiner Zeit, wir haben noch Bonuspunkte ganz am Anfang, vor allem an den Grand Slams waren es dann doppelt so viele, gegen einen Topspieler zu gewinnen. Dann wenn man einen Topspieler geschlagen hat, dann ging das um die Welt. Heute habe ich das Gefühl, wenn du nicht Rafa, mich oder Novak schlägst, dann interessiert das fast wie keinen. Das finde ich fast schade oder? Auch wenn du vielleicht das Turnier gewinnen konntest und dementsprechend ist das bestimmt ein großes Turnier für ihn, weil er hat mich auf Rasen hier im Finale geschlagen. Darum bekommt er auch schön Aufmerksamkeit, das ist auch mal schön. Und von dem her wünsche ich das mehreren Jungen oder. Aber es ist sicher auch so, dass vielleicht die Generation nicht ganz so stark ist wie in Zeiten von Michael Chang, Boris Becker, Borg und Nadal und Djokovic, alle die so unglaublich stark waren im Teenageralter. Ich glaube nicht, dass es am Punktesystem liegt. Wenn man gut genug ist, dann schafft man den Weg nach vorne. Aber es ist sicher so, dass auch viele immer noch sehr sehr stark spielen mit 28, 30, 32, was vielleicht früher nicht der Fall war. Da haben dann viele gesagt, für mich ist es okay, es reicht jetzt, ich höre auf. Und das hat natürlich dann auch die Tür vielleicht geöffnet für andere. Ich habe keine Ahnung. Es ist sicher eine spezielle Konstellation, aber eben es kommen viele, ob jetzt einer die Eins, die Zwei, die Drei wird, das wird sich dann zeigen, aber es ist gut, dass mit Khachanov und Coric beide wieder weit gekommen sind hier und ich hoffe, dass auf den Grand Slams so weitergeht.
Borna Coric hat diese Woche mit Toptennis überzeugt. Was sehen Sie in ihm speziell für ein Potential?
Ja, es war interessant zu sehen, wie er eigentlich hochgekommen ist und dann Mühe hatte. Ich weiß nicht genau, was das Problem war. Ich hatte fast so ein bisschen das Gefühl, dass er sein eigenes Spiel ein bisschen gesucht hat, wie aggressiv, wie passiv will er spielen, weil natürlich seine DNA ist schon irgendwo im Kontertennis drin zu sein. Das ist natürlich gegen die besten immer so ein bisschen ein Problem, aber ich habe das Gefühl, er hat unterdessen den Mittelweg gefunden. Ich glaube, das ist immer die große Frage für alle jungen Spieler, was ist der Mittelweg, wie aggressiv, wie passiv, wie viel Risiko soll ich nehmen. Manchmal spielen sie kopflos und manchmal eben zu sicher wieder, aber das macht sie auch gefährlich, weil sie es selber noch nicht ganz wissen. Aber ich habe das Gefühl, momentan läuft es ihm wunderbar. Auf dem kann er natürlich riesig aufbauen. Er muss sicher aufpassen, dass er sich nicht sagt, ja okay jetzt habe ich so gegen Federer gespielt, jetzt kann ich jeden überall schlagen. Das ist mir zum Verhängnis ein bisschen geworden, wo ich Sampras schlagen konnte ein Wimbledon. Da habe ich gedacht, jetzt spiele doch immer so wie gegen Sampras und dann merkst du, okay Cincinnati hat jetzt gar nichts zu tun mit Wimbledon und Wimbledon hat gar nichts zu tun mit indoor und indoor hat gar nichts zu tun mit Sand. Und dann merkst du, ja gut, jeder Tag ist wieder ein neuer Kampf. Und von dem her musst du dich immer wieder aufs Neue beweisen und dementsprechend kann man sich sicher nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Aber er soll den Sieg sicher genießen, weil das ist sicher speziell, eben sein erstes Rasenturnier zu gewinnen. Das schaffen nicht viele, denn es gibt ja nicht viele Turniere zu gewinnen und Wimbledon ist nicht einfach. Von dem her freut mich für ihn, dass es geklappt hat beim ersten Anlauf.
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