26. GERRY WEBER OPEN vom 18. – 24. Juni 2018

Ticket Center 05201 8180 Mo. bis Fr. 9–18 und Sa. 9–13 Uhr

Interview mit Roger Federer und Ralf Weber

Ralf Weber: Ich bin froh, dass Roger hier ist. Er hat gerade die Sonne mitgebracht. Ja, ich denke, wir wissen alle, dass wir in dieser Woche sicherlich mit schlechten Wetterbedingungen zu kämpfen haben, aber es ist natürlich sehr schön zu wissen, dass wir ein Dach haben auf dem Center Court, wo ich auch glaube ich in der letzten Woche oder speziell in den letzten Tagen von vielen Turnierveranstaltern drum beneidet wurde, Stuttgart, s’Hertogenbosch oder auch in Queens heute sind halt schlechte Umstände, aber wie gesagt, schön, dass wir heute auf dem Center Court starten konnte. Unsere Nummer Zwei ist auch grade durch, Kei Nishikori. Wir hatten schon einen sehr schönen erfolgreichen Start mit der Qualifikation, mit dem Show Match, haben schon 30.000 Besucher begrüßt in den letzten zwei Tagen. Ja, ich persönlich bin froh, dass Roger hier ist, unser aktueller Titelverteidiger, achtmaliger Sieger, und von unserer Seite aus kann das Turnier losgehen oder ist ja losgegangen und ich denke, dass wir auch noch ein paar trockene Sequenzen erwischen, dass wir heute einen Teil der ersten Runde schon über die Bühne bringen.
Roger Federer: Ich freue mich natürlich sehr, wieder hier zu sein. Es ist gut, dass es eine Woche mehr auf Rasen gibt. Das hatte ich schon vor ein paar Jahren betont. Ich freue mich auch wirklich, dass das Turnier hier in Halle ein 500er ist. Da geht es um mehr Prestige, noch mehr Punkte und vielleicht würde ich mal sagen, habe sie noch mehr investiert in alle Anlagen und es wird immer noch professioneller. Man glaubt es kaum, aber ich sehe natürlich den Unterschied in den letzten zehn, fünfzehn Jahren und begrüße das natürlich sehr und die Spieler auch, obwohl sie nicht kennen, wie es früher war. Es war immer ein top Turnier und ich hoffe natürlich, dass diese Woche mir weiterhin viele Informationen geben kann für Wimbledon danach natürlich auch, aber generell für mein verkorkstes Jahr mit den Verletzungen. Darum bin ich jetzt froh, dass ich jetzt zum ersten mal wieder zwei Turniere am Stück spielen kann. Das habe ich nicht erreicht in den letzten sechs Monaten. Von demher ist das ein schönes Gefühl, wieder hier zu sitzen und mich zu freuen auf ein zweites Turnier in zwei Wochen und vor allem auf diese Woche in Halle, wo es doch so gut gelaufen ist über die Jahre.
Ralf Weber: Welche Informationen hat Ihnen das Turnier in Stuttgart bisher gegeben?
Roger Federer: Gut, einfach mich mal ein bisschen durchzukämpfen, durch den ganzen Rost (lacht), der natürlich offensichtlich war oder auch immer noch ist. Er ist spürbar im Körper wie auch in den Schlägen drin und auch ein bisschen im Kopf drin. Ich habe einfach sehr wenig gespielt, so wenig wie noch nie in meiner Laufbahn und darum ist es wichtig, dass ich wieder mal den Kontakt finde zu Turnieren und somit auch alles besser beurteilen kann. Ich hatte jetzt gestern mal Pause wieder, heute werde ich ein bisschen trainieren, um einfach im Rhythmus zu bleiben. Aber ich denke von morgen oder auch heute schon werde ich mich nur noch besser fühlen auch diese Woche hier in Halle als in Stuttgart, weil es war natürlich schon enorm auch für den Körper, wieder diese Matches zu spielen. Das absolut positive war, dass ich eben drei harte Matche am Stück spielen konnte und die waren einfach knapp und dementsprechend musste ich viele wichtige Punkte spielen, Breakpunkte abwehren, Satzbälle abwehren, Matchbälle, okay auch nicht verwerten ab und zu, aber all das bringt eine gewisse Anspannung und das ist die, die man nicht in einem Training trainieren kann. Dafür braucht es die Matches mit dem Publikum, dem Druck, den Turniersieg erreichen zu wollen zum Beispiel. Darum bin ich durch den ersten Muskelkater durch. Jetzt denke ich wirklich, dass es nur noch einfacher sein wird.
Ralf Weber: Sie haben gerade angesprochen, dass Sie im Grunde genommen noch nie so wenig Matches in einer Saison gespielt haben. Normalerweise war es so, dass wenn die Rasensaison beginnt, sie einmal trainiert haben und das Gefühl da. Jetzt haben Sie sich ja in Stuttgart, wie Sie gesagt haben, sich durchgekämpft. Wie ist das, dass Sie das erste Mal auf Rasen stehen und sich nicht sofort dieses Wohlgefühl einstellt?
Roger Federer: Also gut, das Gefühl wieder auf Rasen zu stehen und sich gut zu fühlen kommt doch schon auch sofort. Das habe ich auch gespürt gehabt, wo ich das erste Mal wieder auf Rasen gespielt hatte in der Woche vor Stuttgart, direkt wieder super Timing gehabt. Aber eben das Problem, dass ich nicht genügend Matches gespielt habe und dann einfach der Aufschlag ein bisschen auf und ab ist, dass die Bewegungen noch nicht ganz stimmen. Aber vom Timing her muss ich sagen, war es eigentlich ganz okay. Ich war ziemlich überrascht wie schnell eigentlich die Bedingungen waren in Stuttgart, aber ich glaube, das hing auch viel zusammen mit der Luftfeuchtigkeit, dass der Belag rutschig war, obwohl die Plätze wirklich in einem Topzustand waren. Zugegebenermaßen mit dem Wetter, das natürlich der Horror ist für solche Rasenplätze. Dementsprechend war es schwierig von der Grundlinie überhaupt große Ballwechsel zu haben, weil man auch gemerkt hat, dass eigentlich der Weg ans Netz eher der richtige ist. Thiem und ich haben sehr viel den Weg ans Netz gesucht und dementsprechend war natürlich nicht viel Rhythmus noch da. Es ist auch schwierig für mich, dann zu beurteilen, wie gut war ich denn wirklich drauf von der Grundlinie. Im ersten Match ist es immer klar, dass es ein bisschen holprig wird, gegen Mayer fand ich es dann schon viel besser und gegen Thiem war es dann wirklich, ja, Passierbälle, Returns, Aufschlag, das hat das ganze Match eigentlich dominiert und ich habe eigentlich gut gespielt habe ich das Gefühl gehabt, zum Schluss eigentlich am besten. Von demher ging es progressiv immer besser und das ist das, was mir sehr wichtig war letzte Woche.
Natürlich ist jetzt hier irgendwo insgeheim das Ziel, dass ich den Titel hier jetzt doch verteidigen kann.
Ralf Weber: Wie viel fehlt noch für die richtige Form für Wimbledon?
Roger Federer: Ich glaube, jedes Match, das ich noch mehr spielen kann, hilft mir natürlich, aber es war jetzt schon mal schön drei Matches zu spielen in Stuttgart. Das nimmt sicher auch ein bisschen den Druck weg hier. Nicht dass ich natürlich jetzt hier nicht gut spielen will. Auf jeden Fall peile ich auch hier ein gutes Resultat an. Natürlich ist jetzt hier irgendwo insgeheim das Ziel, dass ich den Titel hier jetzt doch verteidigen kann. Nach letzter Woche bin ich natürlich zuversichtlicher als wenn ich Stuttgart nicht gespielt hätte. Dann wäre ich hierhergekommen mit den Ambitionen wie letzte Woche in Stuttgart, egal wie ich spiele, es ist nur schon mal positiv, wieder auf dem Platz zu stehen und somit denke ich, dass irgendetwas machbar ist. Natürlich wird es nicht einfach werden, weil eben der Rost, der ist noch da. Der braucht seine Zeit. Aber vielleicht wenn ich mich so ein bisschen in eine gewisse Form reinspielen kann, weil es eben auf Rasen ist, dann ist da auf jeden Fall auch etwas möglich, ganz klar.
Ralf Weber: In Stuttgart sagten Sie, Sie wüssten noch nicht, ob die Familie mit nach Halle komme. Sind sie hier?
Roger Federer: Nein, zum Schluss nicht. Weil ich war noch zu Hause, bin nach dem Spiel gegen Thiem noch nach Hause gefahren, konnte so fast zwei Tage mit ihnen verbringen. Somit sind sie dann zu Hause geblieben und ich bin heute Morgen hergeflogen und sehe sie dann Ende der Woche hoffentlich dann wieder nach dem Final hier, mal schauen (lacht).
Ralf Weber: Ist denn schon klar, wann Herr Federer hier ins Geschehen eingreifen wird?
Roger Federer: Ja wie es momentan aussieht, wir haben hier nun doch aufgrund der Widrigkeiten in Stuttgart, dass Philipp Kohlschreiber und Dominic Thiem dann erst heute das Finale gespielt haben, sind wir momentan in der Diskussion, dass einige der Spieler erst am Mittwoch antreten. Wir werden das sicherlich noch heute im Laufe des Tages bekanntgeben wie der Spielplan aussieht für morgen und auch dann für Mittwoch.
Ralf Weber: Ist nur noch der Rost zu spüren, heißt das die Beschwerden im Rücken sind komplett weg oder horcht man da doch noch mal in sich rein?
Roger Federer: Ja, es geht viel besser. Ich habe voll durchserviert die letzte Woche, habe viele Asse geschlagen, auch ins Netzt gedonnert und rausgedonnert, einfach weil eben der Rhythmus noch nicht ganz da war. Aber zum Schluss war es ganz ordentlich. Ich war eigentlich sehr zufrieden. Darum, jede Woche die vergeht desto mehr bewegst du dich weg von den Problemen, die du hattest. Ich muss sagen, mit dem Rücken habe ich schon meine ganze Karriere ein bisschen zu kämpfen gehabt und ich habe eigentlich eine wunderbare Karriere hinter mir. Darum denke ich auch, dass das natürlich auch wieder okay sein wird. Aber es ist schon so, dass jeder Tag, der vergeht, ist wieder ein Schritt nach vorne. Jedes Match, das du hinter dich bringst, ist auch wieder ein Schritt nach vorne. Und von demher habe ich Selbstvertrauen, aber gleichzeitig ist die – ich würde nicht sagen, die Angst ist auch da – aber der Respekt ist natürlich da, dass das zurückkommen kann. Ich habe so hart gearbeitet die letzten Monate, jetzt auch nach dem Problem, bleibe die ganze Zeit konstant dran, dass das nicht zurückkommt. Darum ist schon die Hoffnung ziemlich groß, dass der Rücken auch hält.
Ralf Weber: Im Teilnehmerfeld sind mit Coric, Thiem, Zverev und Fritz vier Youngsters hier, die besonders vielversprechend sind sicherlich. Wer hat Ihrer Einschätzung nach, die größten Chancen, ganz weit zu kommen und vielleicht für die Sensation zu sorgen?
Roger Federer: Jetzt hier im Turnier?
Ralf Weber: Ja.
Roger Federer: Gut, ich habe die Auslosung nicht ganz ausgecheckt. Das kommt natürlich darauf an, wo sie im Feld sind. Ich schaue mir mal die Auslosung an. Sie sprechen von Zverev, Fritz, Thiem und Coric. Gut, Thiem, da ist die Frage, wie müde ist der. Er hat sich enorm durchgekämpft die letzte Woche plus noch Paris. Das ist schon eine super Hammeraufgabe gewesen für ihn die letzte Woche. Darum hoffe ich für ihn, dass er Mittwoch spielen darf (lacht). Aber das wird Ralf entscheiden (lacht). Ich denke, bei Fritz ist sicher was möglich, er spielt gerne auf Rasen. Ich habe jetzt auch letzte Woche gegen ihn gespielt. Ich glaube, der wird sicher eine super Karriere haben. Für Pouille ist leider vorbei, obwohl ich denke, dass er auch ein super Talent ist eigentlich. Coric gegen Goffin werden jetzt spielen. Ich glaube, das wird schwierig für Coric, weil Goffin für mich auf Rasen, der bewegt sich gut. Die Schnelle vom Belag hilft ihm auf Rasen und er returniert fast am besten auf der Tour auf die zweiten Aufschläge vor allem. Ich glaube, das wird Coric zu kämpfen haben. Und ich glaube Zverev könnte weit kommen. Ich glaube, Troicki, sicher nicht einfach, aber wenn er da durchkommt, dann kann er sich in was reinspielen und vielleicht ist da Halbfinale, Finale absolut realistisch. Und dann weiß man nie, dann könnte vielleiht auch noch mehr kommen. Mir gefällt sein Spiel sehr gut von Alex. Von demher bin ich gespannt, was da noch kommt in den nächsten Jahren.
Ralf Weber: Wer kommt denn weiter die Schweiz hier im Turnier oder die Schweizer in Frankreich?
Roger Federer: Ich brauche fürs Achtelfinale glaube ich ein Match oder? Sie brauchen da ein bisschen mehr oder? Das heißt, ich glaube, ich habe größere Chancen, weil einfach bei mir die Schritte schneller vorangehen.
Ralf Weber: Was ist für die Schweiz drin?
Roger Federer: Also jetzt lässt es sich schon mal ein bisschen einfacher einschätzen als am Anfang des Turniers, da hatten ja alle großen Respekt vor dem ersten Spiel gegen Albanien. Generell einfach die Angst war da, dass das nicht gut kommt wie natürlich bei jeder Mannschaft auch. Jeder, der den ersten Sieg feiern kann, kann mal ein bisschen entspannen und mal ein paar Matches anschauen. Man weiß, man ist noch im Turnier drin. Das ist für die Schweiz der Fall und ich denke, von jetzt sollten sie eigentlich nur noch besser werden, weil die Mannschaften werden auch besser werden und dementsprechend spielen sie auch besser hoffe ich natürlich für sie auch. Und ich hoffe natürlich, dass da minimal ein Achtelfinale rausschaut, aber ich hoffe, sie träumen von größeren Zielen als irgendwie nur Achtelfinale, Viertelfinale zu spielen. Also ich hoffe, sie träumen sogar noch weiter wie Halbfinale, weil wenn man nicht große Ziele hat, dann kommt meistens auch nicht sehr weit, aber man muss realistisch bleiben. Man muss sich jede Minute konzentrieren auf dem Spielfeld wie beim Tennis auch.
Es ist wichtig für mich die Variation zu finden, und eben auch wie aggressiv ich generell spielen kann. Dann hoffentlich liegt es weniger am Gegner, sondern eher an mir.
Ralf Weber: Ja, Schweiz gegen Deutschland gibt es hier gleich in Runde Eins. Jan-Lennard Sruff, der Gegner, sagt, dass Roger einer anderen Tenniswelt zuzuordnen ist. Ist er Realist oder ist der Druck schön weitergegeben?
Roger Federer: Ja gut, ich glaube nicht, dass er der Favorit ist. Von demher kann er sagen, was er denkt. Ist auch richtig so. Ich habe so viel auf Rasen gespielt, aber eben, wir haben noch nie gegeneinander gespielt. Von demher ist hier natürlich ein bisschen das Ungewisse wie letzte Woche gegen Fritz. Ich kenne nicht genau seine Schläge. Von demher könnte das für ihn ein kleiner Vorteil sein, wenn es eng sein würde, Tiebreak, Breakbälle, keine Ahnung, das kenne ich nicht genau seine Spielzüge und für das brauche ich natürlich viel Information von meinem Coach, der das ein bisschen raus hört von vielleicht Spielern, auch Matches schaut von ihm noch in der Vergangenheit wie er gespielt hat und so kann man sich auch ein bisschen besser vorbereiten. Aber im Grunde genommen geht es für mich, dass ich mich auf mein eigenes Spiel konzentriere, das Gute jetzt mintnehme von letzter Woche, das, was nicht so gut ging, zu verbessern und somit mich stetig steigere und nicht, dass ich wie in einer ersten Runde anfange, aber vielleicht fast wie in einer vierten Runde, von letzter Woche noch das mitnehme, diesen Schwung. Ja, und generell einfach aggressiv bleibe in meinen Spielzügen, ob es Serve und Volley ist, Aufschlag, erster Schlag danach, es ist wichtig für mich die Variation zu finden, und eben auch wie aggressiv ich generell spielen kann. Dann hoffentlich liegt es weniger am Gegner, sondern eher an mir.
Ralf Weber: Ich würde einmal gern kurz auf die French Open zurückkommen, jetzt hat es Novak Djokovic ja geschafft, alle vier zu gewinnen. Wie bewerten Sie das? Denken Sie, dass er es schafft den Kalender-Grand-Slam und vielleicht sogar noch Ihre 17 zu erreichen? Im Moment scheint er ja in einer eigenen Liga zu spiele?
Roger Federer: Ja, absolut, alles möglich. Ich glaube, wenn man alle vier Grand Slams besitzt so in dem Stil, klar, im Moment ist er der große Favorit für die nächsten zwei auch. Dementsprechend hat er sehr gute Chancen. Wichtig ist, dass er verletzungsfrei bleibt, hungrig bleibt, weiter das durchzieht. Das kann nur er beantworten, wie viel er da noch Lust auf mehr hat natürlich. Aber es ist sicher mal ein Riesenschritt für ihn, diese French Open zu gewinnen. Das ist natürlich ähnlich wie für mich in 2009, wo ich endlich mal die French Open gewinnen konnte, gab es eine Karriere vor Paris und nach Paris. Das ist einfach so, das kann man nicht leugnen, dass einfach das Gefühl anders ist. Man hat das große Ziel, das noch ausblieb, erreicht. Und ich denke, der Biss, den er haben wird, wird zeigen, wie viel er noch erreichen kann, weil momentan steht er natürlich über allem, wie viel dann, das ist natürlich dann an den Gegnern zu schauen, dass der Abstand nicht zu groß wird oder eher kleiner wird. Ich muss sagen, ich bin auch eigentlich tief beeindruckt von Murray, wie konstant er jetzt durchspielt. Man vergisst ihn natürlich nebst den ganzen Djokovic Siegen, aber er war jetzt auch konstant im Halbfinale, Finale, häufig auch gegen Novak und hat ihn auch zwei Mal besiegen können. Und darum gibt es auch Leute, die an einen Sieg denken, gegen ihn. Und er ist natürlich auch noch Titelverteidiger in Wimbledon. Von demher geht er natürlich mit einem wunderbaren Gefühl nach London. Das ist ganz klar.
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