26. GERRY WEBER OPEN vom 18. – 24. Juni 2018

Ticket Center 05201 8180 Mo. bis Fr. 9–18 und Sa. 9–13 Uhr

Interview mit Tommy Haas

Hatten Sie schon Kontakt mit Wimbledon bezüglich einer Wild Card?
Ich glaube heue müsste es so weit sein, vielleicht später am Abend höre ich noch was. Sie haben gesagt, am 20., aber ich habe bis jetzt noch nichts gehört. Auch nicht mein Telefon gecheckt während dem Match (lacht). Obwohl es heute egal gewesen wäre, hätte ich mal kurz checken können (lacht).
Ich glaube heue müsste es so weit sein, vielleicht später am Abend höre ich noch was. Sie haben gesagt, am 20., aber ich habe bis jetzt noch nichts gehört. Auch nicht mein Telefon gecheckt während dem Match (lacht). Obwohl es heute egal gewesen wäre, hätte ich mal kurz checken können (lacht).
Man sieht ja auch, was das Turnier hier alles veranstaltet, nicht nur für die Tennisspieler, aber generell auch für die Fans. Für uns ist es natürlich immer optimal, wenn wir mal irgendwo bei einem Turnier sind, wo wir auch so diese Familienatmosphäre haben, wo wir wirklich in der Früh aufstehen und zu Fuß 50 m zum Frühstücksbuffet gehen und nochmal 100 m in den Gym und nochmal 100m zum Tennisplatz. Ob das jetzt regnet, dann sind wir in der Halle, haben auch einen Rebound-Ace-Platz hier. Also viele andere Möglichkeiten hier einfach viel zu machen und das ist einfach optimal und Ralf sowieso und das ganze Turnier ziehen immer irgendwas auf. Wir Spieler oder manche denke ich mal haben das Glück, dass wir ins VIP-Zelt gehen können zum Essen, da gibt es viele verschiedene Stationen Also es ist wirklich hier alles top und deswegen ist jeder Spieler auch wirklich gerne hier. Und bezüglich des Rasens: Ich spiele immer schon gerne auf Rasen in meiner ganzen Karriere und grade hier bei diesem Turnier, ich weiß nicht, wie lange ich warten musste, bis ich endlich mal die Trophäe hoch halten konnte, aber es war mein ganz großes Ziel und habe es hier zwei Mal schaffen können und das ist auch sicherlich einer meiner großen Highlights in meiner Karriere. Deswegen ist es immer wieder was ganz Besonderes hier. Ich bin hier 15 Mal an den Start gegangen. Wenn ich nicht so viele Verletzungen gehabt hätte, wären das sicherlich mehr gewesen, aber mit 15 bin ich auch zufrieden. Und ja, freue mich jetzt vielleicht noch ein letztes Rasenmatch zu spielen in Wimbledon. Und, gucken wir mal.
Es kommt offensichtlich auf Ihren Körper an, wie lange es dieses Jahr geht. Aber wie sehr schlaucht es Sie auch emotional von Turnier zu Turnier zu gehen und zu wissen, Sie spielen hier zum letzten Mal?
Ja, ich meine irgendwann muss du es so akzeptieren und irgendwann musste es zu diesem Punkt kommen. Ich ja auch wirklich schon ein paar Mal kurz davor gewesen, wo ich nicht mehr dachte, dass ich nochmal zurückkomme überhaupt auf die Tour nach den letzten Verletzungen, habe mich aber dann doch immer wieder dafür entschieden, es doch nochmal zu versuchen und zu versuchen, den Körper in irgendeine gute Verfassung zu bringen auch nochmal gutes Tennis zu spielen. Im Nachhinein auch wenn es jetzt her das letzte Turnier gewesen wäre, hätte es sich auch schon wieder gelohnt, einfach hier und da noch ein paar Erfolge zu feiern, bei den Turnieren dabei zu sein, nochmal die Kollegen zu sehen. Deswegen bin ich sehr stolz darauf und auch die Momente wie letzte Woche nochmal und auch diese Woche vor meiner Tochter spielen zu können. So habe ich mir das vorgestellt. Und wenn man sich ja auch viele Sachen meistens vorstellt und da auch nachgeht, dann passieren sie auch so wirklich, wenn man dieses positive Denken hat, dass es nochmal vielleicht klappt und ein paar von diesen Emotionen oder auch diese Momente spüren möchte und auch sehen möchte, dann kann man die auch nochmal verwirklichen. Und in der Situation bin ich jetzt grade und da möchte ich jetzt auch nicht aufhören, da ich eigentlich körperlich im Großen und Ganzen auch noch fit bin, aber halt ein paar Wehwehchen hier und da irgendwie doch mal kommen, wo man einfach keine Kontrolle mehr hat. Und das wollte man früher nie wahrhaben, wenn das Vierzigjährige oder ein Fünfundvierzigjähriger gesagt hat, genieß die Zeit, während du jung bist, weil es wird dann ein bisschen schwieriger, aber es ist tatsächlich so.
Sie haben eben von dem emotionalen Aspekt gesprochen von Ihrer Abschiedstour. Aber Sie sind ja auch immer sehr ehrgeizig gewesen. Ist da manchmal auch ein bisschen Frust, der da mitschwingt? Sie haben gesagt, heute hat der Körper nicht so funktioniert oder eigentlich kann ich das besser oder können Sie das schon ganz ausblenden und es wirklich jetzt einfach nur genießen, dabei zu sein?
Ja gut, ich bin natürlich auch trotzdem Sportler und ehrgeizig. Deswegen, so Niederlagen sind nie einfach, aber ich habe natürlich auch grade in der letzten Zeit besser gelernt, damit umzugehen und viel schneller abzuschalten und wenn ich ein Match verliere und meiner Tochter in die Augen schaue, dann denke ich gar nicht mehr an Tennis. Also ist es nicht mehr so ein großes Problem. Aber klar, sobald man auf dem Platz steht und merkt, man hat eigentlich noch Chancen oder man ist knapp davor, ob das jetzt in Houston war gegen Jack Sock oder Tomas Berdych in Monte Carlo, wo man wirklich einen oder zwei Punkte im dritten Satz nicht genutzt hat für sich, um vielleicht das Match für sich zu entscheiden, dann ist man natürlich schon auch gereizt und verärgert und denkt sich aber auch auf der anderen Seite, hey wenn ich noch ein bisschen besser trainieren kann oder wenn der Körper wieder ein bisschen besser mitmacht, vielleicht kann ich nochmal den einen oder anderen Erfolg feiern und deswegen macht man auch weiter. Ich glaube, wenn der Körper nicht mehr kooperiert und man sagt, ich trainiere drei, vier Tage und nach drei, vier Tagen brauche ich drei, vier Tage Erholung und komme eigentlich nicht mehr zu den nächsten Sprüngen, dann braucht man nicht weiterzumachen. Da gibt es auch andere Spieler, die das auch versucht haben und gemacht haben, wo es einfach nicht mehr geht. In dem Fall bei mir geht es einigermaßen noch ganz gut und versuche auch da nach wie vor es noch besser zu machen und mich noch fitter zu machen, dass ich halt auch dann dementsprechend wohl fühle auf dem Platz und wenn ich auf dem Platz stehe, ob ich dann 39 Jahre alt bin oder 42 oder was auch immer es sein würde, das sind alles Sachen, die gehen aus der Tür raus. Und dann kann man auch nicht mehr drüber reden, ich habe ein bisschen hier Probleme gehab oder da. Man geht als Gewinner oder als Verlierer vom Platz und zwischen dem steht nichts mehr. Und das ist eigentlich alles.
Der Spaß überwiegt immer noch gegenüber der Wehmut, weil man ja überall jetzt Tschüss sagen muss?
Ja, wie gesagt, ich habe das für mich auch gar nicht so groß aufziehen wollen. Ich habe ja selber damals auch gesagt, wenn ich nochmal zurückkommen könnte auf die Tour, dann wäre ich sehr gerne noch bei vielen Turnieren, die mir auch wirklich viel bedeutet haben. Ich habe ja eben schon erwähnt, Halle war sicherlich immer ein großes Pflaster und ein Ziel vor Augen in den Jahren, wenn man auf den Kalender schaut Anfang des Jahres, dass man versucht, hier gut zu spielen vor heimatlichem Publikum auf dem Weg nach Wimbledon. Und da gibt es natürlich auch noch viele andere im Jahr, aber gerade die deutschen Turniere sind immer für einen deutschen Spieler sehr wichtig. Man geht vielleicht durch verschiedene Phasen: Am Anfang seiner Karriere ist man überwältigt, während der Karriere spürt man vielleicht auch mehr Druck und will besser spielen und am Ende ist man nochmal dankbar, dass man die Turniere spielen kann, so wie jetzt grade bin. Deswegen ist das auch einfach nur positiv und wirklich nicht so viel mit, ach, ist mein letztes Mal, traurig, traurig, sondern eigentlich, hey, ich habe es nochmal geschafft, hier stehen zu können in dem Alter, nach den Verletzungen und versuche das natürlich auch zu genießen, auch wenn das während dem Match nicht immer so aussieht, weil man dann wieder ehrgeizig ist und versucht, das Match natürlich auch zu gewinnen. Aber danach, wenn zurückblickend da auch hinschauen kann und sagen kann, hey, nochmal stolz gewesen, hier dabei sein zu können und einfach nochmal persönlich versucht, Dankeschön zu sagen an die Fans, die ja wirklich über die Jahre immer hier auch toll zu diesem Turnier kommen und unterstützen, das Tennis unterstützen generell.
Sie sind ja jetzt selbst auch Turnierdirektor. Hat man da nochmal einen anderen Blickwinkel auf die Turniere, wenn man zu den ganzen Turnieren geht?
Also, ja, gute Frage, und klar schaut man vielleicht mal, ob man hier und da noch was besser machen kann dann bei uns, keine Frage. Aber wir sind natürlich schon ein Turnier auch, dass sich, sage ich mal, sehr sehr weit nach vorne blickt immer mit neuen Innovationen und Sachen, wo wir wirklich versuchen, dieses tripple package wirklich gut zu verkaufen, eben für die Spieler, Sponsoren und für die Fans. Letztendlich geht es darum. Wir versuchen wirklich, denen allen die beste Experience zu geben, die wir können und da wird es auch nicht aufhören, dass wir daran arbeiten werden, es immer besser machen zu wollen und da sind wir auch auf dem richtigen Weg. Aber sicherlich, klar, ich habe es ja auch schon erwähnt, ein Ralf Weber, der hier sehr sehr viel aufgebaut hat. Wenn man mal überlegt, wo die waren vor 25 Jahren und die jedes Jahr einfach viel gemacht haben. Das Stadion ist Weltklasse, in 90 Sekunden geht das Dach zu. Ich meine, das gibt es auch nicht so oft. Und das ist wirklich optimal, was sie auch den Fans bieten vom Platz weg und sicherlich kann man da auch das eine oder andere bei dem einen oder anderen Turnier abschauen.
Andersrum, geben Sie den Turnierdirektoren ein paar Tipps oder fragen sie Sie mal, weil Sie ja wirklich innovativ ohne Ende sind in Indian Wells?
Ich weiß nicht, wann Ralf zuletzt in Indian Wells war, aber er weiß, dass da die Einladung steht für nächstes Jahr. Da kann er auf jeden Fall gerne vorbeikommen und sich das mal wieder anschauen. Er weiß, dass ich jedes Jahr hier war und mich glaube ich dieses Jahr auch nicht so richtig als Turnierdirektor sah, sondern als Spieler. Aber sicherlich gibt es die eine oder andere Situation mit anderen Turnierdirektoren und man spricht drüber. Aber auf der anderen Seite ist das ja auch der Ehrgeiz zu versuchen, in unserem Fall, das bester Masters Series, 1000er zu sein, aber trotzdem letztendlich sind wir alle in dem Tennisboot drin und wir wollen alle letztendlich gute Turniere aufziehen und erfolgreich das Tennis zeigen können.
Ein Rückblick über die letzten zwanzig Jahre, wenn Sie Ihre Karriere in drei Worten zusammenfassen könnten?
Oh, da bin ich nicht gut. Ich werde es versuchen, dankbar, froh. Ich glaube, ich kann nur sagen, wenn man überlegt, dass man als kleiner Junge eigentlich immer schon seine Traum leben wollte als Tennisprofi und das geschafft zu haben, sage ich mal, da kann man eigentlich nur sagen, dass ich sehr glücklich bin. Vielleicht waren das drei Worte.
Alle Interviews