26. GERRY WEBER OPEN vom 18. – 24. Juni 2018

Ticket Center 05201 8180 Mo. bis Fr. 9–18 und Sa. 9–13 Uhr

Interview mit Tommy Haas

nach seiner Niederlage gegen Andreas Seppi

In Stuttgart haben Sie hinterher die Umkleide zerlegt. Wie sieht die hier aus?
Tommy Haas: Ne, normal. Waren leider noch ein paar Spieler zu viele dort vielleicht. Aber nein. Ich bin eigentlich mit dem Match im Großen und Ganzen recht zufrieden. Ich habe von der Geschwindigkeit her ganz gut serviert. Ich fand trotzdem, dass mein Gegner heute meinen Aufschlag ganz gut lesen konnte. Er hat sowieso auch ganz gut returniert, gerade auch auf dem Belag. Wie es so ist, genau vor vier Jahren, wo ich auch über ein Jahr draußen war, mein zweites Turnier habe ich auch gegen ihn hier gespielt und auch gegen ihn verloren, und jetzt wieder. Ein bisschen frustrierend natürlich, wenn man sieht, dass ich da Ende des ersten Satzes eigentlich das Gefühl hatte, dass ich in dem Moment der bessere Spieler war auf dem Platz. Und wenn ich da den einen oder zwei blöde Fehler nicht gemacht hätte, bei 5:4 für mich, 15:30, dann wäre es vielleicht ein bisschen anders gelaufen. Man kann immer danach drüber reden, was wäre wenn, ja, wenn man den ersten Satz gewonnen hätte, aber war halt nicht so. Dann habe ich im zweiten Satz bei eins beide ein unnötiges Break bekommen. Teilweise wenn er musste, in den wichtigen Punkten, hat er besser gespielt und ich habe dann vielleicht einfach ein paar zu leichte Fehler gemacht und war nicht konkret genug mit dem Spielplan oder das, was ich machen wollte. Und wenn man in der Situation auch schon lange nicht mehr war, dann macht man so ein paar Kleinigkeiten einfach nicht richtig und daran muss gearbeitet werden.
Hatten Sie heute das Gefühl, dass Sie nach dem Verlust des ersten Satzes, die Kraft gehabt hätten, das Match noch zu drehen?
Tommy Haas: Ja, ich habe eigentlich selber gedacht, mensch, jetzt habe ich halt den ersten Satz verloren, aber ist egal. Ich fühlte mich gut, kam dann leider in so einen Rhythmus rein, wo ein paar Punkte hier und da nicht meinen Weg gegangen sind. Das kann auf Rasen dann auch ganz schnell gehen. Auch vielleicht nochmal bei 2:5 im zweiten, wenn ich da das Spiel macht zum 3:5, vielleicht kann ich dann nochmal meinen Aufschlag halten, wer weiß, vielleicht wird er auch nochmal ein bisschen nervös, aber es darf nicht passieren, dass man dann gleich einen Doppelbreak hinten liegt. Aber es ist nun mal passiert und man denkt dann auch mehr drüber nach und dann geht das Selbstvertrauen, dass man ja eigentlich nicht wirklich hat, noch mehr weg und dann macht man noch leichtere Fehler und dann überlegt man noch mehr, nervt sich über gewisse Sachen. Und es war dann schwer für mich. Aber im Großen und Ganzen körperlich von der Schulter habe ich mich ganz gut gefühlt. Aber morgen ist auch wieder interessant zu sehen, wie sie sich anfühlt und schauen wie es weitergeht.
Sie hatten die fehlende Matchpraxis angesprochen. Wie sah die Vorbereitung auf das Comeback aus grade in Bezug auf die Vorbereitung auf Matches? Auch mit anderen Trainingspartnern?
Tommy Haas: Ja genau. Ich war schon eine Woche vorher in Stuttgart auch und habe dann da mit vielen Spielern gespielt auch, die dann da die Quali gespielt haben oder auch im Hauptwettbewerb dabei sind und man spielt dann hier und da mal einen Satz, weil man noch ein bisschen limitiert ist durch meine Schulter, weil sie dann nach einem Satz auch ein bisschen müde wird und man versucht sie dann auch ein bisschen zu schonen, wenn es drauf ankommt für’s Match. Aber mehr als immer weiterzumachen und mehr Reha und versuchen, die Schulter zu kräftigen und auch die gewisse Pause zu geben. Morgen ist es genau ein Jahr her, dass ich die OP hatte und mein Arzt hat immer schon gesagt, dass es ein bisschen mehr als ein Jahr auf jeden Fall dauern wird, bis man sich einigermaßen wieder wohl fühlt, dass zu machen, was ich natürlich machen möchte. Im normalen Leben ist das alles kein Problem, aber wenn ich da versuche, noch eine gewisse Geschwindigkeit zu erreichen, grade mit dem Aufschlag, grade alles, was über Kopf ist, muss ich geduldig bleiben und weiter daran arbeiten und manchmal auch die gewisse Pause der Schulter geben, die sie braucht, um sich zu regenerieren. Und jeder weiß, wenn man älter wird, dauert das auch ein bisschen länger. Aber nach wie vor bin ich dran und schaue, was geht, und probiere nochmal mein bestes nochmal auf richtig hohem Level spielen zu können.
Ist das zu einfach, alles auf den Aufschlag zu schieben oder ist das schon der Hauptgrund?
Tommy Haas: Ne, nicht der Hauptgrund nur. Klar wäre es schön, wenn ich hier und da mal ein paar mehr freie Punkte bekommen hätte oder vielleicht noch ein bisschen schneller servieren kann, das ist keine Frage. Jeder weiß, der sich im Tennis auskennt, dass Aufschlag mit das wichtigste ist. Wenn man seinen Aufschlag hält, ist man ein sehr gefährlicher Spieler und normalerweise ist da meine Quote auch sehr hoch, was den Prozentsatz angeht. Wie gesagt, heute teilweise ganz gut serviert, aber auch viele einfach dann auch nicht platziert genug, die dann zu oft daneben gehen, anstatt vielleicht dann rein, und das macht dann einen Riesenunterschied, ob man dann über den zweiten gehen muss. Aber ansonsten klar auch von der Grundlinie her fand ich das jetzt auch grade im ersten Satz recht gut, was ich da gespielt habe teilweise und im zweiten Satz war es dann ein paar Mal zu viele leichte Fehler. Bei der Vorhand bin ich dann zu oft hoch gegangen, bisschen raus aus dem Schlag und das ist dann schwierig, grade wenn sein Ball auch sehr flach und lang kommt und man wirklich dann auch den Ball anschaue muss, gut stehen muss, grade auf Rasen darf man sich keine leichten Fehler erlauben. Und das war dann ein bisschen schwierig auch natürlich.
Sie haben Geduld angesprochen. Haben Sie sich ein Time-Limit gegeben, bis wann muss das klappen? Ist das etwas, was Sie langfristig planen?
Tommy Haas: Ja, ich glaube das ist natürlich auch eine gute Frage. Es ist immer schwierig, weil ich glaube auch, dass man sich immer ein bisschen anders fühlt nach gewissen Matchen oder nach Niederlagen. Man ist dann auch mental ein bisschen negativ eingestellt und hat dann eigentlich immer ein paar Gedanken, die dann vielleicht morgen anders sind oder in einer Woche wieder. Also ich habe natürlich vor, so viel Turniere wie möglich zu spielen, dass ich wenn ich fit bin und mich wohl fühle und das Gefühl habe, dass es immer besser wird. Klar, ich werde auf jeden Fall jetzt nochmal das Jahr zu Ende spielen, um zu sehen, wo ich bin, wo ich stehe, wie ich körperlich bin, um dann auch zu sehen, ob es nochmal Sinn macht, im nächsten Jahr mitzumachen, anzugreifen, ob es eben auch besser ist oder nicht oder ob es jetzt so bleibt. Und dann muss ich eben auch Ende des Jahres nochmal eine Entscheidung treffen.
Wie ist da die Entscheidung wieder zurückzukommen, bei welchem Turnier Sie wieder anfangen? Erst wollten Sie in Miami, Indian Wells anfangen, dann München, jetzt ist es im Endeffekt Stuttgart geworden? Was bewegt einen dazu zu sagen, jetzt fange ich wieder an?
Tommy Haas: Ja, ich habe viel schneller regeneriert nach dieser Schulter-OP als beim ersten Mal in 2002, 2003. Und ich glaube Indian Wells war mehr oder weniger so ein Wunschkonzert von mir selber da spielen zu wollen unbedingt. Ich habe einen sehr guten Draht zu dem Turnierbesitzer dort und kann da machen, was ich will eigentlich und wollte unbedingt einfach dabei sein und habe auch sehr gut trainiert da die Woche vorher und wahrscheinlich einfach zu viel und da ging die Schulter leider total in die andere Richtung und musste dann sogar wieder zwei, drei Wochen pausieren. Und habe mich dann von den Gedanken her auf die BMW Open, was dann Ende April war, vorbereiten wollen. Und auch da habe ich dann gemerkt zwei Wochen davor, dass es verdammt eng werden kann. Und da war halt eben in dem Moment die Situation so, dass ich nicht wirklich aufschlagen konnte und dann die Entscheidung getroffen habe, dass es keinen Sinn macht, in München zu versuchen zu spielen. Madrid, Rom, jeder weiß, dass sind mit die zwei schwierigsten Masters Series sowieso, dann wäre French Open, Best of Five. Da habe ich mir gedacht, das macht jetzt wirklich nicht viel Sinn wahrscheinlich auf Sand einzusteigen. Und Rasen ist eigentlich sage ich mal, wenn man hier und da ganz gut spielt oder einen Punkt hier und da in gewissen Aufschlagspielen von meinen Gegnern was machen kann, dann ist man da vielleicht schnell ein Break vorne und wenn man seinen Aufschlag hält, ist das Match normalerweise auch nicht so lang. Und da habe ich mir gedacht, das wäre eine gute Zeit, hier wieder anzufangen. Und nach meiner Hüft-OP war das ähnlich so, dass ich hier in Halle gespielt habe. Und ich spiele die Turniere natürlich auch gern in Deutschland. Und wenn ich die Zeit jetzt hier auch verloren hätte, wer weiß, ob ich nächstes Jahr noch hier bin. Deswegen, mir war das wichtig.
Wie sieht es aus mit Wimbledon? Wie sehen die nächsten Tage aus?
Tommy Haas: Die nächsten Tage sehen eigentlich so aus, dass ich jetzt schauen muss, wie die Schulter sich fühlt nach dem Match heute und einfach versuchen, dass sie besser wird und dann die Entscheidung zu treffen, um zu sehen, ob ich fit bin für Wimbledon.
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